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Beginn der COP27: Mehr Ambitionen beim Klimaschutz, mehr Geld für Entwicklungsländer

Am 6. November 2022 hat die 27. Klimakonferenz im ägyptischen Badeort Sharm el-Sheikh begonnen. Zwei Wochen diskutieren die Delegierten, wie die Klimaziele noch erreicht werden können. Und es geht darum, wer für Klimaschäden zahlen soll – das könnte für Streit sorgen.

UN-Generalsekretär Guterres steht hinter einem Rednerpult, vor ihm eine Gruppe von Journalistinnen und Journalisten mit Kameras und Aufnahmegeräten.
UN-Generalsekretär António Guterres informiert bei einer Pressekonferenz über die bevorstehende Klimakonferenz COP27. Foto: UN Photo/Cia Pak

Sieben Jahre, nachdem die internationale Staatengemeinschaft in Paris beschlossen hat, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, droht dieses Ziel verfehlt zu werden. Die derzeitigen Zusagen der Länder reichen nicht aus, um die Klimaziele von Paris zu erreichen. Die bisherigen Klimapläne der über 190 Unterzeichnerstaaten des Paris-Vertrags hätten zur Folge, dass sich die Erde bis zum Jahr 2100 um 2,4 bis 2,6 Grad erwärmt. Rechnet man nur mit den tatsächlich in Kraft getretenen Maßnahmen, dann kommt es bis Ende dieses Jahrhunderts sogar zu einer Erwärmung von 2,8 Grad.

All das geht aus dem Emissions Gap Report hervor, den das UN-Umweltprogramm (UNEP) vor wenigen Tagen vorgelegt hat. Der Bericht trägt den Titel „Das Fenster schließt sich“ und spielt darauf an, dass das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels schon fast außer Reichweite geraten ist. „Die Treibhausgasemissionen müssen in diesem Jahrzehnt um 45 Prozent gesenkt werden“, sagte UN-Generalsekretär António Guterres. Der Bericht bestätige, dass die Emissionen auf einem rekordverdächtig hohen Niveau bleiben – und weiter ansteigen, anstatt zu sinken. „Wir steuern auf eine globale Katastrophe zu“, warnte Guterres und forderte die Staaten auf, die Lücke zum 1,5-Grad-Ziel auf der Klimakonferenz in Sharm el-Sheikh zu schließen.

Die G20-Staaten müssen ihre Treibhausgasemissionen senken

Insbesondere die G20 sollten hier vorangehen, da sie 80 Prozent der weltweiten Emissionen produzieren. Doch keines der emissionsstarken Industrie- oder Schwellenländer tut genug, um ihren Treibhausgasausstoß zu begrenzen, wie der Climate Action Tracker zeigt.

Bereits auf der Klimakonferenz im schottischen Glasgow im Jahr 2021 hatten die Delegierten die Länder beauftragt, ihre Klimazusagen bis 2022 nachzuschärfen. Getan haben dies lediglich 24 Staaten, darunter Australien und Brasilien. Der Großteil der Staaten hat jedoch kein Update eingereicht. Entsprechend wird dieses Thema erneut auf der Tagesordnung bei der Klimakonferenz COP27 stehen, die ab dem 6. November für knapp zwei Wochen lang in Sharm el-Sheikh stattfindet.

Auf dem Klimagipfel soll ein sogenanntes „Work Program“ aufgesetzt werden, um die Länder dazu anzuspornen, sich anspruchsvollere Klimaziele zu setzen. Um das 1,5-Grad-Limit einzuhalten, müssten die Emissionen bis 2030 um 45 Prozent sinken, wie es der Weltklimarat IPCC empfiehlt.

Geopolitische Lage erschwert Einigungen

Beobachter erwarten, dass die 27. Klimakonferenz durchaus neue Dynamiken bei den Klimaschutzmaßnahmen anstoßen könnte. Allerdings könnte die geopolitische Lage – der Krieg Russlands in der Ukraine, die in vielen Ländern allgegenwärtige Energiekrise und die globale Nahrungsmittelkrise, die sich wiederum auf die Schuldenkrise im globalen Süden auswirkt – die Verhandlungen erschweren.

Eine wesentliche Rolle für den Fortgang der Gespräche dürfte das bislang unerfüllt gebliebene Versprechen spielen, den Entwicklungsländern jährlich 100 Milliarden US-Dollar an Klimafinanzierung bereitzustellen. Eigentlich sollte das Geld schon ab 2020 jährlich zusammenkommen. Doch als im Vorfeld der Klimakonferenz des vergangenen Jahres klar wurde, dass das Versprechen nicht erfüllt werden würde, rangen sich die Industrieländer neue Zusagen ab, die Gelder in der versprochenen Höhe zu zahlen – wenn auch mit drei Jahren Verspätung. Mittlerweile ist nun offiziell bestätigt, dass die Finanzzusage im Jahr 2020 deutlich nicht eingehalten wird. Im Juli dieses Jahres teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit, dass lediglich 83,3 Milliarden US-Dollar dafür zusammengekommen sind.

Es geht ums Geld

Bei der COP in Sharm el-Sheikh werden die Entwicklungsländer einen Plan sehen wollen, wie das Geld ab dem nächsten Jahr mobilisiert werden soll. Zudem muss darüber verhandelt werden, wie es ab 2025 mit der Klimafinanzierung weitergeht.

Bislang wird die Klimafinanzierung vor allem für Maßnahmen zur Minderung der Treibhausgasemissionen in den Entwicklungsländern ausgegeben, wie etwa in den Ausbau der Erneuerbaren Energien oder effiziente Solarkocher. Auf der vergangenen COP wurde aber festgelegt, dass die Industrieländer die Mittel für die Anpassung an den Klimawandel bis 2025 im Rahmen der 100 Milliarden verdoppeln. Damit wollen sich die Entwicklungsländer stärker gegen den die Auswirkungen des Klimawandel wappnen.

Schon heute sind die Auswirkungen weltweit zu spüren. Allein in diesem Jahr starben beispielsweise durch die verheerenden Überflutungen in Folge extremer Regenfälle in Pakistan 1.700 Menschen, Millionen verloren ihr Zuhause. Gleichzeitig bedroht die langanhaltende Dürre am Horn von Afrika die Ernährungssicherheit von Millionen Menschen.

Entwicklungsländer sind unverhältnismäßig stark von Klimaschäden betroffen

Die Frage, wer für diese Schäden und Verluste infolge der Klimakrise zahlen soll, könnte zu Spannungen bei den diesjährigen Klimaverhandlungen führen. Für die meisten Länder des globalen Südens, insbesondere für kleine Inselstaaten, ist diese Frage von zentraler Bedeutung, da sie selbst kaum Treibhausgasemissionen verursachen. Aber im Falle von Wetterextremen oder durch den Anstieg des Meeresspiegels sind sie von den Auswirkungen unverhältnismäßig stark betroffen.

Deshalb schlagen Delegierte der Entwicklungsländer vor, eine Fazilität zur Finanzierung von Schäden und Verlusten einzurichten. Einige Industrieländer zeigen sich allerdings skeptisch; sie befürchten, dass die Entwicklungsländer einen Anspruch auf Schadenersatz erheben könnten. Dänemark hatte als erstes Land weltweit in diesem Herbst angekündigt, 13,4 Millionen Euro für Klimaschäden zahlen zu wollen – doch auch die dänische Regierung betont, dass sie die Zusage nicht als Ausdruck juristischer Verantwortlichkeit sehe.

Auf der Klimakonferenz in Glasgow im vergangenen Jahr einigten sich die Regierungen darauf, einen Rahmen zur Bewältigung von Verlusten und Schäden zu schaffen, über Geld wollten die Industrieländer indes nicht sprechen. Doch die Entwicklungsländer haben Druck gemacht – mit Erfolg: das Thema ist nun auf der Agenda der Klimakonferenz COP27 gelandet.

„Wenn wir nicht auf Verluste und Schäden reagieren, werden wir noch mehr Vertrauen verlieren und das Klima weiter schädigen“, sagte António Guterres. Das sei ein moralischer Imperativ, der nicht ignoriert werden könne. „Die COP27 muss der Ort sein, an dem Maßnahmen zu Verlusten und Schäden ergriffen werden“, fordert der Generalsekretär der Vereinten Nationen vor Beginn der Konferenz.

Von Sandra Kirchner

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