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Bevölkerungsentwicklung

Die Entwicklung der weltweiten Bevölkerungszahlen spielt für das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung und damit auch für die Umsetzung der Agenda 2030 eine zentrale Rolle. Während viele Länder des globalen Südens vor der Herausforderung hoher Geburtenzahlen stehen, sind die Gesellschaften des Nordens häufig von Überalterung betroffen.

Blick von oben auf eine Stadt mit vielen Hochhäusern.
In Dhaka - der Hauptstadt von Bangladesch - leben rund 29.000 Menschen pro Quadratkilometer. Zum Vergleich: In Berlin sind es nur etwa 4000. (UN Photo/Kibae Park)

Die Vereinten Nationen erarbeiten in regel­mäßigen Abständen Prognosen und Berichte zur welt­weiten Bevölkerungs­zahl. Laut der Bevölkerungs­projektion von 2017 wächst die Welt­bevölkerung weiter an, allerdings langsamer als in der jüngeren Vergangen­heit. Nach den derzeitigen Schätzungen der Vereinten Nationen werden im Jahr 2030 rund 8,6 Milliarden Menschen auf der Welt leben. Bis 2050 wächst die geschätzte Zahl auf 9,8 Milliarden, bis 2100 auf etwa 11,2 Milliarden.  

Wie in der Vergangen­heit wird das Bevölkerungs­wachstum den Prognosen zufolge auch in der Zukunft sehr ungleich verteilt sein. Gerade für Entwicklungs­länder werden besonders hohe Geburten­raten prognostiziert, während die Bevölkerung in vielen Industrie­staaten kaum wächst oder sogar schrumpft. So gehen die Vereinten Nationen davon aus, dass über die Hälfte des welt­weiten Wachstums bis 2050 auf den afrikanischen Kontinent entfällt. Am zweit­stärksten wächst die Zahl der Menschen demnach in Asien. Laut Bevölkerungs­projektion konzentriert sich ein Groß­teil des Bevölkerungs­zuwachses auf nur neun Länder. Dazu gehören afrikanische Staaten mit besonders hohen Geburten­raten, etwa Nigeria, Äthiopien, Tansania und die DR Kongo sowie einwohner­starke asiatische Staaten, etwa Indien, Pakistan und Indonesien. Europa ist die einzige Region der Welt für die bis 2050 ein Rückgang der Bevölkerung prognostiziert wird.

Hohe Geburtenraten in Ländern des globalen Südens

Die hohen Geburten­raten in Entwicklungs­ländern sind oft auch ein Ausdruck der ungleichen Verteilung von Chancen. Der Welt­bevölkerungs­bericht 2017 des Bevölkerungs­fonds der Vereinten Nationen (UNFPA) schildert die gravierenden Aus­wirkungen fehlender sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechte. „Ohne Zugang zu Verhütungs­mitteln besteht für arme Frauen, insbesondere wenn sie nur wenig Bildung genossen haben und auf dem Land leben, ein erhöhtes Risiko, ungewollt schwanger zu werden. Dies kann Gesundheits­risiken und lebens­lange ökonomische Nach­wirkungen zur Folge haben. Wenn Frauen nicht selbst bestimmen können, ob, wann oder wie häufig sie schwanger werden wollen, behindert dies ihren Bildungs­zugang, verzögert ihren Eintritt in das Berufs­leben und schmälert ihr Ein­kommen.“ Die Bedingungen der Fort­pflanzung und Familien­planung bleiben in der Debatte um Ungleichheit oft ein vernach­lässigter Aspekt. Dabei sind die Ursachen für die globale Kluft zwischen Arm und Reich viel­schichtig. Ungewollt hohe Geburten­raten können andere Benach­teiligungen verstärken. „Ohne entsprechende angemessene Gegen­maßnahmen werden viele Frauen und Mädchen in einem Teufels­kreis von Armut, mangel­haften Fähig­keiten, nicht verwirklichten Menschen­rechten und nicht ausgeschöpftem Potenzial gefangen bleiben – insbesondere in Entwicklungs­ländern, wo die Unter­schiede am größten sind.“

Alterungstrends

Weltweit steigt die Lebens­erwartung der Menschen. Zusammen mit der in Entwicklungs­ländern langsam sinkenden Geburten­rate führt das zu einem globalen Alterungs­prozess. Laut Bevölkerungs­projektion gab es 2017 welt­weit rund 962 Millionen Menschen über 60 Jahre. In Europa ist der Anzahl alter Menschen proportional am höchsten. Rund ein Viertel der Einwohner sind hier über 60 Jahre alt. Ein ziemlich schneller Alterungs­prozess wird jedoch für die gesamte Welt prognostiziert. So werden mit Ausnahme des afrikanischen Kontinents in allen Regionen die über 60jährigen mindestens ein Viertel der Bevölkerung ausmachen. Schätzungen zufolge wird sich ihre Zahl bis 2050 mehr als verdoppeln, auf 2,1 Milliarden Menschen. 

Viele Industrie­länder stellt die Alterung ihrer Bevölkerung schon jetzt vor große Heraus­forderungen. Sie stehen vor der Frage, wie Renten- und Gesundheits­systeme angesichts des demografischen Wandels neu organisiert werden können. Auch Zuwanderung spielt für die Bevölkerungs­entwicklung in den Industrie­ländern eine entscheidende Rolle. Viele wohlhabende Länder können schon heute einen Bevölkerungs­rückgang nur durch die Aufnahme von Migrantinnen und Migranten verhindern.