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UN-Experten rechnen mit Erholung der Ozonschicht

Die schützende Ozonschicht wird sich in den kommenden 50 Jahren regenerieren. Ein Bericht der Vereinten Nationen belegt, dass das Montrealer Protokoll von 1987 erfolgreich war – und auch die Erderwärmung wird durch das Verbot ozonschädigender Stoffe abgebremst.

In einer Höhe von 15 bis 50 Kilometern konzentriert sich Ozon in der Stratosphäre und bildet die Ozonschicht.

(Foto: ISS Crew Earth Observations experiment and Image Science & Analysis Laboratory, NASA Johnson Space Center/ Flickr/CC BY 2.0/Hovering on the Horizon)

Die Ozonschicht erholt sich langsam. Expertinnen und Experten der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (United Nations Environment Programme, UNEP) gehen davon aus, dass sich die Ozonschicht in den kommenden zwei Jahrzehnten vollständig auf das Niveau von 1980 regenerieren wird. An den Polen wird der Prozess allerdings länger dauern: In der Arktis wird sich die Ozonschicht bis 2045 und in der Antarktis bis 2066 vollständig erholen.

Das geht aus einem Bericht hervor, der Anfang dieses Jahres von einem wissenschaftlichen Gremium auf der Jahrestagung der American Meteorological Society im US-amerikanischen Denver vorgestellt wurde. Für die „wissenschaftliche Bewertung des Abbaus der Ozonschicht“ wurden Studien, Forschungsarbeiten sowie Daten zusammengetragen und ausgewertet. In dem Bericht stellen die Forscherinnen und Forscher fest, dass beinahe 99 Prozent der ozonschichtschädigenden Stoffe auch tatsächlich aus dem Verkehr gezogen wurden.

"Dass die Erholung der Ozonschicht auf dem richtigen Weg ist, ist eine fantastische Nachricht", sagte Megumi Seki, Exekutivsekretärin des Ozon-Sekretariats bei UNEP in Nairobi. Das Montrealer Protokoll habe sich in den vergangenen 35 Jahren zu einem "wahren Champion für die Umwelt" entwickelt.

Ozon in der Stratosphäre filtert schädliche ultraviolette Strahlung

Das Montrealer Protokoll über Stoffe, die zum Abbau der Ozonschicht führen wurde erstmals 1987 unterzeichnet und reglementiert den Verbrauch und die Produktion von ozonabbauenden Stoffen. Der Verzicht dieser Chemikalien hat – dem Bericht zufolge – zu einer bemerkenswerten Erholung der Ozonschicht geführt.

Eine intakte Ozonschicht ist für das Überleben von Mensch und Natur – wie wir sie kennen – unabdingbar. Die Ozonschicht, die sich in einer Höhe von etwa 15 bis 50 Kilometern befindet, fängt einen Teil der ultravioletten Strahlung der Sonne in Abhängigkeit von deren Wellenlänge ab. Vor allem die besonders schädliche kurzwellige Strahlung bremst das Ozon aus. Ohne diesen Schutz wären die Sonnenstrahlen für alle Lebewesen auf der Erde gesundheitsschädlich. Je stärker die Ozonschicht geschädigt ist, desto höher ist die Gefahr für Sonnenbrand, Hautkrebs oder schwere Augenerkrankungen. Auch bei Tieren und Pflanzen würde das Wachstum von Zellen gestört.

Kühl- und Treibmittel zerstören Ozonschicht

Schon in den 1970er-Jahren warnten die Chemiker Mario José Molina und Frank Sherwood Rowland vor der Anreicherung von einigen industriellen Gasen in der Ozonschicht. Vor allem die schwer abbaubaren Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), die teilweise auch klimaschädlich sind, reagieren mit dem Ozon und zerstören die Ozonschicht. Ab den 1930er-Jahren wurden die FCKW im großen Stil als Treibmittel in Spraydosen und als Kältemittel in Kühlschränken verwendet.

Den Verdacht der beiden Chemiker bestätigten britische Forscherinnen und Forscher Mitte der 1980er-Jahre. Erstmals stellten sie 1985 fest, dass die schützende Ozonschicht vor allem über der Antarktis, also rund um den Südpol, dünner geworden war. Es tat sich buchstäblich ein ‚Loch‘ in der Ozonschicht auf. Zwar schädigten die FCKW die Ozonschicht rund um den Planeten, doch besonders an den Polen sanken die Ozonwerte so stark, dass man von einem Ozonloch sprach.

Erfolgreiches Abkommen zum Schutz der Ozonschicht

Die Weltgemeinschaft handelte damals rasch. Zwei internationale Abkommen zum Schutz der Ozonschicht wurden innerhalb weniger Jahre geschlossen. Das Wiener Übereinkommen zum Schutz der Ozonschicht von 1985 fördert die Forschungstätigkeit, die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch zwischen den Staaten – allerdings noch ohne konkrete Maßnahmen.

Zwei Jahre später einigten sich 24 Staaten und die Europäische Gemeinschaft im kanadischen Montreal auf die Wiederherstellung der Ozonschicht. Sie verpflichteten sich, weniger ozonschichtabbauende Chemikalien einzusetzen. Seit 2010 ist es weltweit verboten, FCKW zu produzieren.

Das Montrealer Protokoll gilt bis heute als erfolgreichstes internationales Umweltübereinkommen. Darin verpflichten sich die UN-Mitgliedsstaaten, Vorsorgemaßnahmen zu treffen – ein Ansatz, der auch in später geschlossenen Umweltabkommen aufgegriffen wurde.

Auch Fachleute bestätigen, dass die wesentlichen Schritte zur Regulierung der Fluorchlorkohlenwasserstoffe gemacht sind. "Durch das Montreal-Protokoll und seine Folgeabkommen wurde der Gebrauch der FCKW, die für den Ozonabbau verantwortlich sind, eingedämmt", sagt Rolf Müller vom Institut für Energie- und Klimaforschung am Forschungszentrum Jülich. Vor allem in der oberen Stratosphäre, wo die chemischen Prozesse schnell und daher relativ eindeutig seien, werde das ozonschädigende Chlor aus den FCKW in den kommenden 50 bis 60 Jahren verschwunden sein. "In der unteren Stratosphäre bis etwa in einer Höhe von 20 000 Metern sind die Prozesse und Wirkungszusammenhänge vielschichtiger, was unter anderem mit chemischen Prozessen in der Atmosphäre – wie etwa periodischen Schwankungen in der Ozonkonzentration – und dem Klimawandel zusammenhängt. In dieser Höhe lassen sich noch keine eindeutigen Anzeichen der Wiederherstellung der Ozonschicht messen", erklärt Ozonforscher Müller.

Wie die Ozonkiller mit dem Klimawandel zusammenhängen

Und das Abkommen kam auch dem Klimaschutz zugute, da ozonschädigende Substanzen starke Treibhausgase sind, die die globale Erwärmung verstärken. Zugleich wurden Pflanzen durch die vermiedene UV-Strahlung geschützt, sodass sie mehr Kohlenstoff binden konnten und so einen Anstieg des CO2 in der Atmosphäre verhinderten, wie eine im Fachmagazin Nature erschienene Studie belegt.

Allerdings wurden die ozonschädigenden FCKW oftmals durch Fluorkohlenwasserstoffe (FKW) ersetzt. Diese schädigen zwar nicht die Ozonschicht, sind jedoch viel stärkere Treibhausgase als CO2. Die FKW, die ebenfalls als Kühlmittel in Eisschränken und Klimaanlagen eingesetzten wurden, drohten also, die Klimaerwärmung weiter zu befeuern. 2016 wurde deshalb die Änderung von Kigali des Montrealer Protokolls beschlossen, die das schrittweise Auslaufen der FKWs verlangt. Die Änderung von Kigali wird laut dem jetzt veröffentlichten Bericht dazu beitragen, eine globale Erwärmung um 0,3 bis 0,5 Grad bis zum Jahr 2100 zu verhindern.

Präzedenzfall fürs Klima

Die Welt müsse sich die Eindämmung der Ozonkiller als „Präzedenzfall für Klimaschutz-Maßnahmen nehmen“, forderte der Generalsekretär der WMO Petteri Taalas. "Unser Erfolg bei der schrittweisen Abschaffung ozonschädigender Chemikalien zeigt uns, was getan werden kann und muss – und zwar dringend –, um von fossilen Brennstoffen wegzukommen, Treibhausgase zu reduzieren und so den Temperaturanstieg zu begrenzen", sagte Taalas.

Anders als die ozonschädigenden Chemikalien, die rasch und vergleichsweise einfach ersetzt werden konnten, sind fossile Brennstoffe viel verbreiteter in der Anwendung. Beinahe in allen Lebensbereichen werden fossile Energien wie Kohle, Gas und Öl benutzt. Praktisch jede Form von Konsum trägt zum Klimawandel bei –, etwa wenn Mahlzeiten auf einem Gasherd zubereitet oder Autos mit Verbrennungsmotor zur Fortbewegung genutzt werden.

Sandra Kirchner

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