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50 Jahre UNEP: Unabdingbar trotz ernüchternder Bilanz

In diesem Jahr feiert das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, kurz UNEP, seinen 50. Geburtstag. Viel Grund zum Feiern gibt es jedoch nicht: Denn obwohl das Programm durchaus Erfolge erzielen konnte, bleiben drängende Umweltprobleme ungelöst.

Menschen demonstrieren für mehr Umweltschutz. (Ivan Radic/CC BY 2.0)

Alles begann im Jahre 1968 mit einem Bericht des damaligen UN-Generalsekretärs U Thant. Er beschäftigte sich mit der Anfrage Schwedens, eine Konferenz zum Thema „Probleme der menschlichen Umwelt“ einzuberufen. In diesem Bericht wurde nicht nur deutlich, dass Umweltschutz ein interdisziplinäres Thema ist, welches in den Arbeitsbereich verschiedener UN-Organe fällt. Er war auch die Grundlage für die erste UN-Versammlung zum Thema Umwelt im Juni 1972 in Stockholm. Vor dem Hintergrund der wachsenden Auswirkungen der Industrialisierung auf Mensch und Umwelt, wurde dort das Thema „menschliche Umwelt“ erstmals auf die globale Agenda gesetzt und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), ins Leben gerufen. 

Seitdem besetzt UNEP die führende Rolle im Bereich des globalen Umweltschutzes und ist das einzige Programm der UN, welches sich ausschließlich mit dem Thema Umwelt befasst. Während es zur Zeit seiner Gründung nur 58 Mitgliedstaaten zählte, erfuhr das Programm auf der UN-Nachhaltigkeitskonferenz in Rio de Janeiro im Jahr 2012 eine entscheidende Stärkung. Seit diesem Jahr gehören alle UN-Mitgliedstaaten dem UNEP an, das Budget der Organisation wurde aufgestockt und die UN-Umweltversammlung wurde gegründet, in deren Rahmen sich die Mitgliedstaaten seit 2014 alle zwei Jahre treffen.

Umweltschutz – ein Thema etabliert sich auf der globalen Bühne

Auch wenn UNEP mit seinen nun 50 Jahren zu den jüngeren Programmen der Vereinten Nationen gehört, ist das Thema Umweltschutz von der globalen Agenda heute nicht mehr wegzudenken. Die UN-Versammlung von 1972 war der Beginn eines anhaltenden und komplexen Dialogs zwischen Regierungen von Industriestaaten und Entwicklungsländern zum Thema Umwelt. Dabei hat sich das UN-Umweltprogramm zu einem unabdingbaren Raum für internationale Zusammenarbeit entwickelt, dessen Arbeit auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aufbaut. 

Durch Kampagnen macht die Organisation auf Umweltkrisen aufmerksam und drängt Regierungen zum Handeln. Gleichzeitig unterstützt sie Staaten dabei, Umweltschutz und Nachhaltigkeit bei Entwicklungs- und Investitionsplanungen zu berücksichtigen. Die Schwerpunkte des Umweltprogramms der UN liegen heute in erster Linie auf der Bekämpfung von drei grundlegenden globalen Krisen, nämlich dem Klimawandel, dem Verlust von Biodiversität und der globalen Umweltverschmutzung. Diese drei Kernthemen bedingen sich nicht nur gegenseitig, sondern beinhalten auch zahlreiche Unterthemen. Erst kürzlich machte beispielsweise ein UNEP-Bericht auf die zunehmende Gefahr von Großstadtlärm, Waldbränden und von phänologischen Verschiebungen, also der Störung des natürlichen Zeitrhythmus von Tieren und Pflanzen, aufmerksam. 

Nennenswerte Errungenschaften

Als einziges multilaterales Umweltprogramm, in dem alle 193 Staaten vertreten sind, kann UNEP bereits einige beeindruckende Erfolge verzeichnen, insbesondere wenn es um rechtliche Bestimmungen und wissenschaftliche Zusammenarbeit geht. Neben Abkommen zur Bekämpfung von Verschmutzung von Gewässern durch Schiffe, zur Eindämmung grenzüberschreitender Luftverschmutzung oder zur Entsorgung von gefährlichen Abfällen, gehört das Montreal Protokoll von 1987 zum Schutz der Ozonschicht zu den ersten einflussreichen, rechtlichen Initiativen des UNEP. 1988 gründete UNEP gemeinsam mit der Weltorganisation für Meteorologie den Zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC). Dieser Nobelpreis gekrönte Ausschuss beschäftigt sich mit der Sammlung und Auswertung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse zur Globalen Erwärmung und gibt wissenschaftliche Einschätzungen zu dessen Entwicklung und den daraus entstehenden Risiken ab. Auf nationaler Ebene hat UNEP das Konzept der Green Economy, beispielsweise in China, vorangetrieben und sich für eine nachhaltige, grüne Finanzpolitik eingesetzt. Das Programm hat seit seiner Gründung außerdem erfolgreich zur Gründung von Umweltministerien weltweit beigetragen

Ein Strand bedeckt mit Plastikabfällen. Plastikmüll ist eines der drängenden Umweltprobleme unserer Zeit. (Paolo Margari/CC BY-NC-ND 2.0)

Trotz dieser Erfolge sieht die allgemeine Bilanz nach 50 Jahren UNEP durchwachsen aus. Ein UNEP-Bericht selbst kommt kürzlich zu dem ernüchternden Schluss, dass durch das aktuell vorherrschende, ressourcenintensive Entwicklungsmodell die globale Umweltzerstörung weiter drastisch vorangetrieben wird. Die Klimaziele können kaum noch erreicht werden, da – gemäß einem UNEP-Bericht von Oktober 2021 – die Bemühungen der Staaten ab sofort um das Siebenfache steigen müssten, um das 1,5 Grad-Ziel einzuhalten. 

Auch um die Biodiversität sieht es schlecht aus: Von den schätzungsweise acht Millionen Tier- und Pflanzenarten sind eine Million vom Aussterben bedroht. Hinzu kommen neun Milliarden Tonnen Plastik, die seit den 1950er Jahren produziert wurden und von denen etwa sieben Milliarden Tonnen Abfall sind – wovon ein großer Teil in den Weltmeeren landet. Keines der globalen Ziele für den Schutz von Leben auf der Erde und zur Eindämmung der Degradation von Land und Ozeanen wurde vollständig erreicht. Stattdessen nimmt der Mensch heute Einfluss auf drei Viertel der ländlichen Lebensräume und auf zwei Drittel der Ozeane. Auch die Weltwirtschaft hat sich nicht an die Bedarfe der Umwelt angepasst: In den letzten 50 Jahren hat sie sich fast verfünffacht. Dem Erhalt der Natur selbst wird dagegen kaum ein finanzieller Marktwert verliehen.

Zwischen drängendem Handlungsbedarf und Machtlosigkeit

UNEP hat viele seiner Ziele bislang verfehlt. Das kann zum einen auf ein strukturelles Problem zurückgeführt werden: Die Organisation ist als das leitende globale Programm im Bereich Umweltschutz ins Leben gerufen worden, hat seine Verantwortlichkeiten jedoch mit der Zeit auf verschiedene Unterorganisationen und -agenturen verteilt. Diese werden von projektbezogenen Geldern finanziert und konzentrieren sich auf einzelne, spezifische Probleme. Dies schwächt UNEP und führt zu einem Verlust an Geldern für die Organisation, dessen Basisfinanzierung zwischen 1979 und 2019 trotz steigenden Einkommens um 37 Prozent zurückgegangen ist. 

Das Problem des unzureichenden Umweltschutzes scheint zudem im mangelnden politischen Willen der Staaten zu liegen. Zwar betonte UN-Generalsekretär António Guterres in seiner Rede zum 50. Jubiläum von UNEP hoffnungsvoll, dass „Multilateralismus funktioniert“ – jedoch zeigt die nur halbherzige Umsetzung von Umweltschutzabkommen, dass Staaten ihren Verpflichtungen nicht nachkommen. 

Nicht alles umsonst

Weltweit ziehen immer mehr Menschen vor Gerichte, um Regierungen und Unternehmen für ihre Untätigkeit im Bereich Umwelt- und insbesondere Klimaschutz zu verklagen. UNEP spielt dabei in zweifacher Hinsicht eine wichtige Rolle: Einerseits auf der rechtlichen Ebene, da durch die Verabschiedung internationaler Abkommen im Bereich Umweltschutz neue Verpflichtungen für Staaten entstehen, deren Umsetzung eingeklagt werden kann. Andererseits durch die Veröffentlichung von Berichten und Studien, die neben dem Stand der Wissenschaft auch die Umsetzung festgesetzter Ziele und Vereinbarung durch einzelne Staaten widerspiegeln und somit die Grundlage für rechtliche Verfahren schaffen können. 

Ob sich daraus langfristig ein gesellschaftliches Umdenken für mehr globalen Umweltschutz ergibt, muss sich zeigen. Vielleicht werden es auch weitere dramatische Naturkatastrophen sein, die eines Tages dazu führen, dass Staaten sich mit mehr Ernsthaftigkeit für den Erhalt der Natur und den Schutz von Klima und Ressourcen einsetzen. Denn wie UNEP betont, es wird höchste Zeit, dass wir „Frieden mit der Natur schließen“

Von Rebecca Fleming

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