Klimaschutz (SDG 13)

Eine „Große Grüne Mauer“ gegen die Ausbreitung der Wüste

Frauen gießen ihre Beete

Es ist für diese Frauen im Senegal ein harter tagtäglicher Kampf, dem trockenen Boden Früchte und Gemüse abzutrotzen und sich der weiteren Ausdehnung der Wüste entgegenzustellen. Foto: WFP/Daouda Guirou

Afrika droht zu „verwüsten“. Zwei Drittel der Fläche des Kontinents bestehen aus Wüsten- und akut oder potenziell gefährdeten Savannengebieten. Nach Einschätzung der Welternährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO trägt der Klimawandel mit der Folge lang anhaltender Dürren wesentlich dazu bei, dass sich die Sahara und benachbarte Wüstengebiete scheinbar unaufhaltsam nach Süden ausdehnen.

Um diesen Prozess zu stoppen, haben sich elf afrikanische Staaten zur Initiative „Große Grüne Mauer“ zusammengeschlossen, die von zahlreichen internationalen Organisationen unterstützt werden. Das ambitionierte Ziel lautet, einen mehr als 7.000 Kilometer langen und bis zu 15 Kilometer breiten Streifen von Bäumen, Gehölzen und anderen Pflanzen anzulegen. Beteiligt sind die Länder Senegal, Mauretanien, Mali, Burkina Faso, Niger, Nigeria, Tschad, Sudan, Äthiopien, Eritrea und Djibouti. Diese Initiative wurde jetzt beim UN-Waldforum in Istanbul (8.-19.4.2013) vorgestellt.

Die Bäume sollen eine Barriere für den Wind bilden, fruchtbaren Boden vor dem Weggewehtwerden bewahren, die Feuchtigkeit in Luft und Boden erhöhen und die landwirtschaftliche Nutzung des Gebietes verbessern. Auch wird erwartet, dass die Mauer die biologische Vielfalt erhöht und die Widerstandsfähigkeit angesichts des Klimawandels vergrößert. Ein weiterer wichtiger Effekt besteht darin, dass die Bäume große Mengen klimaschädlichem CO2 speichern sollen.

Eine breite finanzielle Unterstützung für ein Jahrhundertvorhaben

2006 ergriff die Afrikanische Union, der Zusammenschluss aller afrikanischen Staaten, die Initiative für die „Grüne Mauer“. 2010 unterschrieben die Regierungen von elf Staaten dann eine Konvention, die der sie die Absicht bekundeten, dieses Vorhaben gemeinsam zu verwirklichen. Grundprinzip ist dabei, dass jede Regierung für die Programme im eigenen Land verantwortlich ist, es aber gemeinsame Planungen für das Gesamtvorhaben gibt.

Eine Karte zeigt einen breiten Streifen quer durch Afrika.
Mehr als 7.000 Kilometer soll die „grüne Mauer“ lang werden und vom Senegal bis Djibouti die Ausbreitung der Wüste stoppen. Illustration: Wikimedia Commons

Eine zentrale Rolle für die Finanzierung des Vorhabens kommt der „Globalen Umweltfazilität“ (GEF) der Vereinten Nationen zu. An der fachlichen Beratung und Umsetzung der Vorhaben sind verschiedene UN-Programme und andere internationale Einrichtungen beteiligt, darunter die FAO und die Weltbank.

Das Welternährungsprogramm WFP unterstützt lokale Gemeinschaften dabei, Bäume zu pflanzen, deren Früchte essbar sind, und Gemüse anzubauen, um so Aufforstung und Ernährungssicherung miteinander zu verbinden. In Ländern wie dem Senegal ermöglicht das WFP-Programm „Food for Work“ es den Bauern in der Trockenzeit, wenn auf den eigenen Feldern wenig zu tun ist, an den Aufforstungsvorhaben mitzuarbeiten.

Insgesamt sollen zwischen zwei und drei Milliarden Dollar für das Programm „Großer Grüner Wall“ zur Verfügung gestellt werden. Das Programm bündelt die Erfahrungen und das Engagement zahlreicher internationaler, nationaler und lokaler Organisationen. Aber sehr viel wird davon abhängen, ob es gelingt, eine große Zahl lokaler Gruppen an den Entscheidungsprozessen und der Umsetzung der Vorhaben zu beteiligen. Der GEF-Forstexperte Ulrich Apel betont: „Das Wichtigste für alle Projekte ist, dass sie Erfolge und Ergebnisse vor Ort zeitigen ... das ist die wichtigste Werbung, um fördernde Stelle für eine Beteiligung zu gewinnen.“

Kritik an der Mauer

Die Initiative „Große Grüne Mauer“ ist von Anfang an in Afrika selbst und bei einigen internationalen Umweltorganisationen auf Kritik gestoßen. Pointiert formulierte der Waldexperte Chris Reij von der Universität Amsterdam 2012: „Die Grüne Mauer ist ökologischer Schwachsinn.“ Das zeige sich schon daran, dass nur jeder vierte Setzling die erste Trockenzeit überleben würde. Auch andere Wissenschaftler und wissenschaftliche Einrichtungen haben sich skeptisch im Blick auf die entwicklungspolitischen und ökologischen Erfolgsaussichten des Vorhabens geäußert.

Die afrikanische Umweltorganisation „Timberwatch“ (ein Teil der Global Forest Coalition) kritisierte 2011, dass Monokulturen angepflanzt würden und dass die indigene Bevölkerung in den Aufforstungsgebieten nicht ausreichend einbezogen werde. Diese Kritik äußert auch das „Koordinationskomitee der indigenen Völker Afrikas“ (IPACC). Solche Kritik wird von den Verantwortlichen des Programms entschieden zurückgewiesen.

Erste Erfolge im Senegal

Stolz zeigt diese senegalesische Frau ihr geerntetes Gemüse. Damit kann sie die Ernährung ihrer Familien auf eine breitere Grundlage stellen. Foto: WFP/Gregory Barrow

Es wird sich erst allmählich zeigen, ob die Kritik an dem Vorhaben berechtigt ist und welche Ergebnisse die Aufforstungsinitiativen haben. Bis messbar die Sandstürme weniger werden, der Grundwasserspiegel steigt und die Wüstenausbreitung gestoppt wird, können Jahrzehnte vergehen. Immerhin konnte das Welternährungsprogramm WFP in einem Bericht vom 11. April 2013 erste lokale Erfolge der „Great Green Wall“-Arbeit aus dem Senegal vermelden: „Die Bemühungen, die Saharawüste mit einem Vegetationswall zu stoppen, zahlen sich im Senegal aus, wo lokale Gemeinschaften frische Früchte und Gemüse auf dem trockenen Wüstensand ernten. Indem das Projekt dringend benötigte Ernährungsquellen in einem Gebiet liefert, wo die Mangelernährung weit verbreitet ist, hilft es Gemeinschaften auch dabei, mit den zunehmenden Risiken des Klimawandels fertig zu werden.“

Ein Beispiel ist das Dorf Widou Thiengoli im Norden des Senegal. Hier ernten die Frauen inzwischen Tomaten und Auberginen als „Nebenprodukt“ des „Grüne Mauer“-Projektes. Kaira Haidara, die stellvertretende Vorsitzende der Frauenorganisation des Dorfes, erinnert sich: „Als ich jung war, gab es im Dorf mehr Wasser, und wir bauten unsere eigene Hirse an.“ Inzwischen haben sich die Niederschläge vermindert, aber, fügt sie hinzu: „Das Projekt hat positive Veränderungen in unser Leben gebracht. Es gibt jetzt eine größere Vielfalt von Nahrungsmitteln, und wir machen uns weniger Sorgen, ob wir genug zum Essen haben werden.“ Selbst wenn die „Große Grüne Mauer“ nie fertig werden sollte, gibt sie offenbar den Anstoß für eine größere Zahl sinnvoller Projekte, und das ist auch bereits ein bedeutender Erfolg.

Die Globale Umweltfazilität GEF hat einen Videofilm über den „Great Green Wall“ ins Internet gestellt. Eine Broschüre der FAO zu dieser Initiative kann als pdf-Datei heruntergeladen werden. Weitere Informationen zu Waldthemen finden Sie auf der Seite des DGVN-Themenschwerpunktes „Wälder & Abholzung“.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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