Gute Gesundheitsversorgung (SDG 3)

Weniger Erkrankungen und ein längeres Leben

Ein Arzt untersucht den Blutdruck einer Patientin

Untersuchung durch ein UN-Gesundheitsteam in Timor-Leste in Südostasien. Foto: UN Photo/Martine Perret

„Ein Jahr vor dem Zielpunkt 2015 für die Millenniums-Entwicklungsziele sind bei vielen gesundheitsbezogenen Zielen substanzielle Fortschritte erzielt worden.“ Zu diesem Ergebnis kommt die Weltgesundheitsorganisation WHO in ihrem Bericht „World Health Statistics 2014“.

Dieser Bericht liefert nicht nur Zahlen und Daten zur globalen Gesundheitssituation, sondern auch fundierte Analysen und Konzepte, wobei ein besonderer Akzent auf den gesundheitsbezogenen Millenniums-Entwicklungszielen (MDGs) liegt.

Ein wichtiges Ergebnis des Berichts hat die WHO-Generaldirektorin Margaret Chan so formuliert:  „Es besteht weiterhin eine Teilung der Welt in Arm und Reich: Menschen in Ländern mit hohem Einkommen haben immer noch sehr viel günstigere Aussichten, lange zu leben als Menschen in Ländern mit niedrigem Einkommen.“

Weniger Kleinkinder sterben – aber es sind immer noch zu viele

Zu den größten Erfolgen auf dem Weg zum Erreichen der MDGs gehört die deutliche Senkung der Kindersterblichkeit in allen Regionen der Welt. Die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren hat sich von 1990 bis 2012 weltweit um 47 Prozent verringert. Das bedeutet nach WHO-Berechnungen, dass nun jeden Tag 17.000 Kinder weniger sterben. Allerdings sind die regionalen Unterschiede weiterhin sehr groß. So ist das Risiko, vor dem fünften Geburtstag zu sterben, für ein afrikanisches Kind acht Mal so hoch wie für ein europäisches Kind. Von den fast 18.000 Kleinkindern auf der Welt, die auch heute noch jeden Tag sterben, könnten viele gerettet werden, wenn ihre Ernährung, ihre Gesundheitsversorgung und der Zugang zu sauberem Wasser besser wären. 

Zwei Frauen mit ihren Kindern auf dem Schoß
Basisgesundheitsdienste wie hier auf Madagaskar ermöglichen es, Frauen und Kleinkinder in Dörfern und Slumgebieten zu versorgen und so die Mütter- und Kindersterblichkeit deutlich zu vermindern. Foto: UN Photo/Eskinder Debebe

Besonders kritisch im Leben von Kindern armer Familien im Süden der Welt sind die ersten 28 Tage. Von allen Kleinkindern, die in den ersten fünf Lebensjahren sterben, überleben 44 Prozent die ersten Wochen nicht. Die WHO engagiert sich deshalb dafür, entschlossen gegen die nachgeburtlichen Gesundheitsrisiken vorzugehen. 

Wie wirksam längst bekannte Gesundheitsinterventionen sind, zeigt die Weltgesundheitsorganisation in ihrem Bericht am Beispiel der Bekämpfung von Masern. In zwei Dritteln der WHO-Mitgliedsländer wurden 2012 mindestens 90 Prozent aller Kinder im zweiten Lebensjahr gegen Masern geimpft, 2000 waren es erst 43 Prozent. Die Folge ist, dass sich die Zahl der Todesfälle durch Masern in dieser Zeit weltweit um 78 Prozent auf 122.000 vermindert hat. 

Hohe Müttersterblichkeit: weiterhin ein gravierendes Problem

Mit dem Millenniums-Entwicklungsziel 5 wird angestrebt, die Geburtshilfe so zu verbessern, dass die Todesrate von Müttern bei der Geburt eines Kindes von 1990 bis 2015 um drei Viertel zurückgeht. Tatsächlich hat sich die Müttersterblichkeit bis 2013 fast halbiert, aber immer noch kommen jedes Jahr 289.000 Mütter bei der Geburt eines Kindes ums Leben. Die Zahl der Todesfälle „bleibt inakzeptabel hoch“, heißt es dazu im WHO-Bericht. 

Ein Hauptgrund dafür, dass das Millenniumsziel bis 2015 nicht erreicht wird, ist die unzureichende gesundheitliche Versorgung der Mütter vor und während der Geburt. In reichen Ländern werden 99 Prozent aller Geburten von medizinischen Fachkräften begleitet, in Ländern mit niedrigem Prokopfeinkommen lediglich 46 Prozent. Die unzureichende Gesundheitsversorgung in armen Ländern bezahlen viele Mütter mit dem Leben. 

Erfolge im Kampf gegen HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria

2012 haben sich 2,3 Millionen Menschen mit HIV infiziert, das war ein Drittel weniger als noch 2001. Beunruhigend ist, dass trotz aller Aufklärungsarbeit weiterhin 70 Prozent aller Neuinfektionen in Afrika südlich der Sahara erfolgen. Weltweit leben geschätzt 35,3 Millionen Menschen mit HIV/Aids.  

Erfreulicherweise erhalten immer mehr Menschen, die mit HIV/Aids leben, eine antiretrovirale Therapie, die ein längeres Leben mit der Infektion ermöglicht. In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen waren dies 2012 insgesamt 9,7 Millionen Menschen. Dass sie länger leben, hat dazu geführt, dass sich die Zahl der Todesfälle unter den Menschen, die mit HIV/Aids leben, seit 2005 von jährlich 2,3 Millionen auf 1,6 Millionen vermindert hat. 

Das Millenniumsziel, den Trend zu immer mehr Tuberkulose-Erkrankungen umzukehren, ist erreicht worden. Nicht nur geht die Zahl der Neuinfektionen zurück, sondern inzwischen überleben auch 45 Prozent mehr Erkrankte als noch 1990. Dennoch starben 2012 etwa 1,3 Millionen an Tuberkulose Erkrankte. Die Erfolge wären größer, wenn es nicht eine so hohe Zahl von Menschen gäbe, die durch HIV/Aids so geschwächt sind, dass sie an Tuberkulose erkranken, was häufig zum baldigen Tod führt.

Fast die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Gebieten, in denen sie von Malaria bedroht sind. Jedes Jahr erkranken weltweit etwa 207 Millionen Menschen an Malaria, und 627.000 von ihnen sterben daran, vor allem Kleinkinder. 90 Prozent der Todesfälle werden aus Afrika südlich der Sahara berichtet. Immerhin ist es hier und in anderen tropischen Regionen gelungen, durch Maßnahmen wie die Verteilung von imprägnierten Moskitonetzen die Zahl der Todesfälle durch Malaria deutlich zu vermindern. In Afrika waren 2012 nur noch halb so viele Tote zu beklagen wie im Jahre 2000. 

Wasser für die meisten Menschen – aber immer noch viel zu wenige Toiletten

Die Weltgemeinschaft hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil der Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser zwischen 1990 und 2015 zu halbieren. Dieses Ziel konnte bereits 2010 erreicht werden. Aber nach Einschätzung der WHO erhielten zwar seit 1990 zusätzlich 2,3 Milliarden Menschen einen Zugang zu sauberem Wasser, aber etwa eine Milliarde wartet immer noch auf eine zuverlässige Versorgung. Auch weist die WHO in ihrem Bericht darauf hin, dass es weiterhin große regionale und soziale Unterschiede beim Zugang zum Wasser gibt. 

Seit 1990 haben zusätzlich fast zwei Milliarden Menschen einen Zugang zu einer gesundheitlich unbedenklichen sanitären Versorgung erhalten. Aber 2012 hatten immer noch mehr als 2,5 Milliarden meist arme Bewohner von Entwicklungsländern keine Möglichkeit, regelmäßig eine Toilette aufzusuchen. Dass damit das Ziel einer Halbierung des Anteils dieser Menschen bis 2015 nicht mehr erreicht wird, hat zahlreiche negative gesundheitliche Auswirkungen, u. a. wird dadurch die Ausbreitung von Infektionskrankheiten begünstigt. 

Der Oberarmumfang eines Kindes wird gemessen.
Die Verbesserung der Gesundheitsbetreuung kleiner Kinder hat weltweit die Kindersterblichkeit deutlich vermindert und die Lebenserwartungen um mehrere Jahre erhöht. Foto: UN Photo/Martine Perret

Ein längeres Leben 

In allen Regionen der Welt hat sich die Lebenserwartung der Menschen in den letzten Jahrzehnten deutlich erhöht. Ein 2012 geborenes Mädchen kann statistisch damit rechnen, 73 Jahre alt zu werden, sechs Jahr älter als ein Mädchen, das 1990 geboren wurde. Dies ist auf viele Faktoren zurückzuführen, aber die Verbesserung der Gesundheitsversorgung spielt hierbei eine zentrale Rolle. 

Die Lebenserwartung der Einwohner von Entwicklungsländern sind weiterhin niedriger als diejenige in Industrieländern. Aber in Entwicklungsländern hat sie sich seit 1990 um durchschnittlich neun Jahre erhöht. In einigen Ländern wurden noch spektakulärere Erfolge erzielt. Im westafrikanischen Liberia erhöhte sich die Lebenserwartung in dieser Zeit um 20 Jahre, von 42 auf 62 Jahre. Auch Äthiopien, die Malediven, Timor-Leste und Ruanda weisen ähnlich hohe Zuwachsraten auf.

Im WHO-Bericht heißt es auf der Grundlage solcher positiver Daten: „Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ermutigende Erfolge bei einem breiten Spektrum von internationalen gesundheitsbezogenen Zielen und Vorgaben klar gezeigt haben, dass zielgerichtetes internationales Handeln etwas bewirken kann.“

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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