Katastrophen

UN wollen Klimaschutz und Katastrophenvorsorge verstärken

Zwei Menschen laufen auf einer sandigen Straße durch einen Sandsturm, sie haben Tücher um den Kopf gewickelt

Der Norden Kenias gehört zu den am stärksten von Dürren betroffenen Regionen Afrikas. Foto: IRIN/Jaspreet Kindra

98,6 Millionen Menschen waren im letzten Jahr direkt von Katastrophen betroffen, und bei 92 % dieser Katastrophen spielten Klimafaktoren eine Rolle. Das sind zwei Ergebnisse einer Analyse des „United Nations Office for Disaster Risk Reduction“ zu Ausmaß, Folgen und Konsequenzen von Katastrophen.

Das „Büro der Vereinten Nationen zur Reduzierung der Risiken durch Katastrophen“ ist dafür verantwortlich, Gefahren durch Katastrophen zu analysieren und Regierungen sowie UN-Einrichtungen dabei zu unterstützen, gemeinsam wirksame vorbeugende Maßnahmen, Frühwarnsysteme und Initiativen zur Abwehr von Risiken und zum Schutz der betroffenen Bevölkerung zu ergreifen. Die Abkürzung UNISDR für diese Initiative steht für den Beschluss der UN-Generalversammlung „International Strategy for Disaster Reduction“ vom Dezember 1999.

Dem von UNISDR koordinierten Netzwerk zur Verminderung der Risiken durch Katastrophen gehören 29 UN-Organisationen, -Programme und -Einrichtungen an, darunter das UN-Entwicklungsprogramm, das Welternährungsprogramm und das UN-Umweltprogramm. Ein Erfolg der gemeinsamen Bemühungen ist es, dass die Risikoverminderung durch Katastrophen in die Entwicklungsplanung und -programme zahlreicher Länder einbezogen worden ist.

Mehr Katastrophen, aber weniger Todesopfer

Die neuen UNISDR-Daten lassen erkennen, dass sich die weltweite Zahl der Katastrophen 2015 deutlich erhöht hat. Es wurden 32 größere Dürrekatastrophen gezählt, doppelt so viel wie im Durchschnitt der letzten zehn Jahre. China, die USA, Indien, die Philippinen und Indonesien wurden am häufigsten von Katastrophen heimgesucht.

Bemerkenswert ist, dass sich 2015 zwar die Zahl der Katastrophen erhöht, die Anzahl der Todesfälle aber deutlich vermindert hat. Im letzten Jahr starben nach den UNISDR-Statistiken 22.773 Menschen bei Katastrophen, im Durchschnitt der letzten zehn Jahre waren es jährlich 76.424. Durch Stürme kamen 2015 lediglich 923 Menschen ums Leben, im Zehnjahresdurchschnitt 9.525.

Eine gewisse Zurückhaltung ist im Blick auf die Erfassung der Zahlen und die Zufälle, die die Daten eines Jahres beeinflussen, angebracht. Dennoch gibt es gute Gründe, sich der UNISDR-Bewertung anzuschließen, dass die vielfältigen Maßnahmen zur Risikoverminderung wesentlich zur Reduzierung der Zahl der Todesopfer beigetragen haben.

Robert Glasser, der Leiter von UNISDAR, ist überzeugt: „Das bessere Verstehen von Katastrophenrisiken und Investitionen in Maßnahmen zur Vorbereitung auf Katastrophen und zur Risikoreduzierung haben alle ganz entscheidend zur ermutigenden Nachricht beigetragen, dass die Zahl der Toten durch Stürme im letzten Jahr signifikant abgenommen hat.“

Risikofaktor Hitze

Gegen den allgemeinen Trend hat sich die Zahl der Todesopfer durch Hitzewellen mit 7.346 gegenüber den Vorjahren nur minimal vermindert. Bemerkenswerterweise war Frankreich im Jahre 2015 mit 3.275 Hitzetoten das Land, das am stärksten die Gesundheitsauswirkungen besonders hoher Temperaturen zu spüren bekam, noch deutlich vor Indien und Pakistan.

Die Gesundheitsrisiken durch extrem hohe Temperaturen werden oft unterschätzt, und es wird zu wenig zur Vorbeugung und zur Risikoverminderung getan. Die Situation wird sich noch verschärfen angesichts steigender globaler Durchschnittstemperaturen durch den Klimawandel. UNISDR befasst sich deshalb mit der Frage, welche Konsequenzen sich daraus ergeben, dass 2015 global betrachtet das heißeste Jahr seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen war.

Robert Glasser betont angesichts der zunehmenden Zahl von klimabedingten Katastrophen: „Die wichtigste Botschaft aus diesen Trendanalysen besteht darin, dass die Reduzierung der Treibhausgasemissionen und die Anpassung an den Klimawandel unverzichtbar für Länder sind, die in Gegenwart und Zukunft die Risiken durch Katastrophen vermindern wollen.“

Ein völlig zerstörtes kleines Haus, überall liegt Bauschutt und Wellblech, es hängt sogar in einem Baum
Die Philippinen gehören zu den Staaten, die am stärksten von Taifunen heimgesucht werden. Als Folge des globalen Klimawandels werden diese heftiger und richten noch größere Zerstörungen an. Ein erschreckendes Beispiel war der Taifun Haiyan im Jahre 2013. Foto: UN Photo/Evan Schneider

Gemeinsames Engagement gegen Risiken durch Katastrophen

Im März 2015 wurde bei einer UN-Konferenz in Sendai/Korea das „Rahmenwerk zur Verminderung von Katastrophenrisiken für die Jahre 2015 bis 2030“ verabschiedet. Darin werden sieben Ziele für die nächsten 15 Jahre formuliert. Die Zahl der weltweit auftretenden Katastrophen soll möglichst vermindert werden, es sollen deutlich weniger Menschen zu Schaden kommen. Ebenso sollen die wirtschaftlichen Schäden und die Zerstörungen von Infrastruktur und öffentlicher Einrichtungen reduziert werden. Die Zahl der Länder mit Strategien zur Reduzierung der Katastrophenrisiken soll steigen, und es werden Verbesserungen angestrebt bei der internationalen Zusammenarbeit sowie beim Zugang zu Frühwarnsystemen und zu Informationen über Katastrophenrisiken.

Die UNISDR-Daten für das Jahr 2015 wecken die Hoffnung, dass es gelingen kann, die Vorbereitung auf Katastrophen zu verbessern und wirkungsvoller mit deren Folgen umzugehen. Solche Bemühungen stoßen allerdings rasch an ihre Grenzen, wenn es nicht gelingen sollte, den globalen Klimawandel zu vermindern.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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