Politik & Gesellschaft

Mauritius: Eine Insel will dem Klimawandel trotzen

Regenbogen am Strand von Mauritius

Der Tourismus trägt 14 Prozent zum Sozialprodukt von Mauritius bei und sichert 40.000 Arbeitsplätze. Durch den Klimawandel sind die Sandstrände gefährdet und ebenso die Hotels in unmittelbarer Küstennähe. Foto: Gerold Mayer / pixelio.de

Was tun, wenn bis 2050 als Folge des Klimawandels die Hälfte der Strände verlorengehen könnte? Bisher gehört der Inselstaat Mauritius vor der Ostküste Afrika nicht zuletzt wegen des Tourismus zu den wohlhabenderen Ländern des Kontinents. Das Land bereitet sich besonders umsichtig auf die Folgen des Klimawandels vor. Das belegt das „Nationale Rahmenkonzept für eine Politik der Anpassung an den Klimawandel“ (National Climate Change Adaption Policy Framework – NCCAPF), das im Juli 2013 vorgelegt wurde. Wie lang anhaltend das Klimaengagement des Landes bereits ist, zeigt sich zum Beispiel darin, dass Mauritius der erste Staat war, der die UN-Klimarahmenkonvention UNFCCC am 10. Juni 1992 ratifiziert hat.

Ein zentrales Ziel des Rahmenkonzepts besteht darin, „sicherzustellen, dass Investitionen in die Anpassung an Klimavariabilität und Klimawandel vielfältigen Nutzen in unterschiedlichsten Sektoren erbringen, indem potenzielle zukünftige Verluste vermieden werden und möglichst auch Extravorteile (wie die Schaffung neuer Arbeitsplätze) entstehen“. Mauritius, so der Minister für Umwelt und nachhaltige Entwicklung bei der Präsentation des Rahmenkonzepts, will „proaktiv“ mit den Folgen des Klimawandels umgehen. Deshalb sind für Bereiche wie Tourismus, Landwirtschaft, Fischerei und Küstenschutz konkrete Anpassungsstrategien für die nächsten zwei Jahrzehnte entwickelt worden. Damit kann Mauritius zum Vorbild für andere Inselstaaten werden. Das Land kann im „Internationales Jahr der kleinen Inselentwicklungsländer“, das von den Vereinten Nationen ausgerufen wurde, mit besonders viel Aufmerksamkeit für seine Klimapolitik rechnen. 

Klimaveränderungen erkennen und sich darauf vorbereiten

Ein wichtiger erster Schritt der Klimapolitik von Mauritius besteht darin, die Folgen des Klimawandels systematisch zu erfassen. Hierfür werden zum Beispiel an der Küste Messstationen eingerichtet, die Veränderungen der Meerestemperatur wissenschaftlich exakt erfassen. Zurückliegende Messungen haben ergeben, dass der Meeresspiegel im letzten halben Jahrzehnt um jährlich 3,8 Millimeter gestiegen ist, ein fast doppelt so hohes Tempo wie im Jahrzehnt davor. Hinzu kommt, dass die Zahl der heftigen Stürme zunimmt. Die Kombination beider Folgen des Klimawandels gefährdet die Küste einschließlich der Sandstrände.

Beunruhigend ist auch, dass die jährlichen Niederschläge seit den 1950er Jahren um 8 Prozent abgenommen haben. Gleichzeitig ist die Zahl der Starkregenereignisse signifikant gestiegen. So gingen zum Beispiel am 30. Januar 2013 in kaum mehr als einer Stunde 152 mm Regen in der Hauptstadt Port Louis nieder, etwa zwei Drittel der Niederschlagsmenge, die üblicherweise im ganzen Monat zu erwarten ist. In den Fluten starben 11 Menschen, obwohl Mauritius über einen gut ausgebauten Katastrophenschutz verfügt und die Bevölkerung geschult wird, was im Falle von Unwettern zu tun ist. 

Nach mehreren lang anhaltenden Dürren muss das Land sich auch auf diese Extremwetterereignisse vorbereiten. Wetterextreme und ein Rückgang der Wasserressourcen der Insel um 13 Prozent bis 2050 können dazu führen, dass die landwirtschaftliche Produktion längerfristig um 20 bis 30 Prozent abnimmt. Dies gilt es abzuwenden.

Anpassungsmaßnahmen in vielen Lebensbereichen

Anpassung an den Klimawandel bedeutet in Mauritius unter anderem, einzelne Berufsgruppen in Seminaren gezielt auf zu erwartende Veränderungen vorzubereiten. So wurden bereits mehrere Seminare durchgeführt, bei denen Ärzten und Beschäftigten in Gesundheitsbehörden vermittelt wurde, welche zusätzlichen Belastungen durch den Klimawandel auf das Gesundheitswesen zukommen.

Ähnliche Seminare werden zum Beispiel für Straßenbaufachleute, Architekten und Bauingenieure angeboten. Nicht zuletzt dank des Engagements von Umweltschutzorganisationen ist auf Mauritius das Bewusstsein dafür gewachsen, wie wichtig Korallenriffs und Mangroven dafür sind, die Insel widerstandsfähiger angesichts vermehrter Stürme und steigendem Meeresspiegel zu machen. Deshalb will die Regierung die Korallenriffe besser schützen und fördert Projekte zum Anpflanzen neuer Mangrovenwälder.

Die Mauritius-Strategie der Vereinten Nationen

Im Januar 2005 fand in Mauritius eine UN-Tagung auf hoher Ebene statt, die die Durchführung des UN-Aktionsprogramms für die nachhaltige Entwicklung der kleinen Inselstaaten überprüfen sollte. Dieses Aktionsprogramm, auch ‚Barbados-Programm‘ nach dem Gastgeber der Weltkonferenz über die nachhaltige Entwicklung der kleinen Inselstaaten von 1994 genannt, sieht vor, kleine Inselentwicklungsländer aufgrund ihrer geografischen Isolation und damit besonderen Anfälligkeit für Folgen des Klimawandels und weltmarktbedingte Versorgungsschwankungen gezielt zu fördern.

Die 2005 verabschiedete ‚Mauritius-Strategie‘ zur weiteren Implementierung des Aktionsprogramms hat besondere Rücksicht auf die in der Zwischenzeit von den Vereinten Nationen proklamierten Millenium Development Goals (MDGs) genommen und 19 Bereiche identifiziert, die besondere Aufmerksamkeit erhalten sollen. Diese sind:

Aufstieg aus der Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder (least development countries), Handel, nachhaltige Produktion und nachhaltiger Konsum, Gesundheit, Wissensmanagement, Kultur, Klimawandel und steigender Meeresspiegel, Natur- und Umweltkatastrophen, Abfallentsorgung, Küsten-, Meer- und Süßwasserressourcen, Tourismus, Energie, Landnutzung, Biodiversität, institutionelle und Verwaltungskapazitäten, regionale Institutionen und technische Kooperation, Transport und Kommunikation, Wissenschaft und Technik sowie Personalentwicklung.

Weitere Informationen zu den Übereinkommen sowie eine Übersicht über die Inselentwicklungsländer finden Sie auf www.sidsnet.org

Planvoller Übergang zu einer grünen Wirtschaft

Mauritius ist bestrebt, einen Beitrag dazu zu leisten, den Klimawandel zu verlangsamen und dafür klimaschädliche Emissionen zu reduzieren. Hierfür sind Konzepte einer nachhaltigen Entwicklung und einer grünen Wirtschaft entwickelt worden, die die zukünftigen Entwicklungsanstrengungen des Landes prägen sollen und nun schrittweise umgesetzt werden. Das Land will, erklärt das Umweltministerium, „zu einem weltweiten Modell für nachhaltige Entwicklung werden und dies besonders im Kontext der kleinen Inselstaaten unter den Entwicklungsländern“. Ein konkretes Ziel lautet, bis 2025 den Anteil der erneuerbaren Energie auf 35 Prozent zu steigern. 

Ein wichtiges Element des NCCAPF-Engagements ist die Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung und ihre aktive Einbeziehung in Klimaschutz. So beteiligen sich zahlreiche Schulen daran, Bäume zu pflanzen, Solaranlagen zu installieren, Regenwasser zu sammeln und den Wasserverbrauch zu reduzieren. Außerdem wurde anlässlich der Präsentation des Nationalen Rahmenkonzepts ein „Klimawandel-Informationszentrum“ in St. Louis eröffnet, in dem von Wissenschaftlern bis zu Landwirten alle Bevölkerungsgruppen über Klimawandel und Klimaschutz informiert werden sollen. Eine interaktive Ausstellung zu Klimathemen will u.a. zu einem nachhaltigen Lebensstil ermutigen.
Finanziell gefördert und beraten wird Mauritius bei seinem Klimaengagement u.a. vom UN-Umweltprogramm UNEP, vom UN-Entwicklungsprogramm UNDP, vom UN-Programm „Globale Umweltfazilität“ GEF und in Zukunft auch vom Grünen Klimafonds, der sich im Aufbau befindet. Auch Umweltschutzorganisationen wie der WWF engagieren sich für eine Erhaltung der Natur auf Mauritius.
Das NCCAPF-Konzept kann als pdf-Datei heruntergeladen werden. Einen Überblick über das Klimaengagement der Regierung von Mauritius gibt die Darstellung „Climate Change“ des Umweltministeriums.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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