Gute Gesundheitsversorgung (SDG 3)

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WHO-Poster zum Weltgesundheitstag 2014

Mehr als eine Milliarde Menschen pro Jahr infizieren sich mit Krankheiten wie Malaria, Dengue- oder Gelbfieber. Die Erreger dieser Krankheiten werden durch Mücken, Zecken und andere Blutsauger übertragen. Mehr als eine Million Menschen sterben daran. Zum diesjährigen Weltgesundheitstag am 7. April stellt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Thema "vektorübertragene Krankheiten" in den Mittelpunkt. Sie schätzt, dass diese Krankheiten weltweit rund 17 Prozent der Krankheitslast ausmachen. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung ist gefährdet.

Bestimmte Arten von Stechmücken, Fliegen, Zecken oder Flöhe können als so genannte Vektoren Krankheitserreger von einer infizierten Person oder einem Tier auf andere Personen übertragen. In Mitteleuropa ist die häufigste vektorübertragene Krankheit die von Zecken verbreitete Lyme-Borreliose. Die meisten dieser Krankheiten sind jedoch typische Tropenkrankheiten. Viele kommen insbesondere dort vor, wo der Zugang zu sauberem Trinkwasser und eine hygienische Abwasserentsorgung nicht gewährleistet sind. Weltweit am häufigsten ist die Bilharziose, die durch Wasserschnecken übertragen wird.

Die Armen sind von solchen Krankheiten besonders betroffen. Sie leben häufig unter besonders gefährlichen Bedingungen, ihre Immunabwehr ist geschwächt und sie haben nicht die finanziellen Mittel, um sich auf einfache Weise zu schützen. Krankheitsfälle treffen sie besonders hart, denn sie haben oft auch keinen Zugang zu medizinischer Behandlung. Die hohe Krankheitslast verschärft wiederum die Armut, denn sie mindert die Arbeitskraft und hält Kinder vom Schulbesuch ab.

Malaria und Dengue-Fieber

Die tödlichste aller vektorübertragenen Krankheiten ist die Malaria. Nach Schätzungen der WHO kostete sie im Jahr 2012 zwischen 473.000 und 789.000 Menschen das Leben. Die meisten von ihnen waren Kinder in Afrika. Etwa 3,4 Milliarden Menschen leben in Gebieten mit Malaria-Risiko. Hinzu kommen immer mehr Migranten und Touristen, die sich in Malariagebieten aufhalten.

Während dank verschiedener wirksamer Maßnahmen die Malaria zwischen 2000 und 2012 weltweit um rund 25 Prozent zurückgedrängt und die Mortalität um 42 Prozent gesenkt werden konnte, breitet sich das Dengue-Fieber rasant aus. Im Laufe der vergangenen 50 Jahre hat sich die Zahl der Dengue-Fälle verdreißigfacht. Auch in Europa hat es schon Ausbrüche von Dengue-Fieber gegeben, so z.B. 2012 auf der portugiesischen Insel Madeira. Dengue ist weitaus seltener tödlich als Malaria, kann aber besonders für Kinder eine große Gefahr darstellen.

Schutz verbessern, Ausbreitung verhindern

Nur für einige vektorübertragene Krankheiten, wie z.B. Frühsommer-Meningoenzephalitis, Gelbfieber oder Japanische Enzephalitis, gibt es einen wirksamen Impfschutz. Bei der Malaria-Prophylaxe, die für Reisende in Risikogebiete empfohlen wird, treten immer wieder neue Resistenzen auf.

Der Klimawandel und Veränderungen in der Landnutzung, aber auch Handel, Migration und Tourismus tragen dazu bei, dass bestimmte Vektoren und zum Teil auch die von ihnen übertragenen Krankheiten immer häufiger auch in Ländern oder Gegenden auftreten, wo sie zuvor unbekannt waren. Die ägyptische Tigermücke, Hauptüberträger des Dengue-Erregers, kommt mittlerweile in 20 europäischen Ländern vor. Die asiatische Tigermücke, die Chikungunya oder Dengue-Fieber übertragen kann, ist zum Beispiel seit 2003 auch im Schweizer Tessin heimisch geworden.

Am besten schützt die Menschen in Endemiegebieten alles, was Insektenstiche oder -bisse verhindert. Dazu gehören Moskitonetze, Insektenschutzgitter an Fenstern und Türen, geschlossene Kleidung, Repellents und Insektizide. Aber auch umsichtiges Verhalten hilft, indem man zum Beispiel in der Morgen- und Abenddämmerung Türen und Fenster geschlossen hält und sich möglichst wenig im Freien aufhält.

7. April: Weltgesundheitstag

Jedes Jahr zum Weltgesundheitstag am 7. April stellt die Weltgesundheitsorganisation ein Schwerpunktthema in den Mittelpunkt. Der Tag markiert die Gründung der WHO im Jahr 1948. Er bietet Anlass für verstärkte Bildungsarbeit, um Entscheidungsträger und die Bevölkerung für Gesundheitsthemen zu sensibilisieren und den Schutz vor Krankheiten zu verbessern.

"Die Vektorkontrolle bleibt das wichtigste Instrument, um den Ausbruch von vektorübertragenen Krankheiten zu verhindern", sagt Lorenzo Savioli, Direktor der WHO-Abteilung zur Kontrolle vernachlässigter Tropenkrankheiten anlässlich des Weltgesundheitstages. Den Gesundheitsbehörden kommt bei der Bekämpfung der übertragenden Insekten eine zentrale Rolle zu. Mücken und Larven lassen sich mit verschiedenen Verfahren bekämpfen. Neben Insektiziden (die allerdings oft gefährliche Nebenwirkungen haben und gegen die es zunehmend Resistenzen gibt) gehört dazu die Trockenlegung von Brutstätten. Außerdem brauchen die Behörden bessere laborgestützte Überwachungsmöglichkeiten.

Doch Vektorkontrolle gehe weit über den Gesundheitssektor hinaus, betont UN-Generalsekretär Ban Ki-moon: "Schlecht geplante Entwicklungsinitiativen – wie die Abholzung von Wäldern, der Bau von Staudämmen oder Bewässerungsmaßnahmen zur Erhöhung der Nahrungsmittelproduktion können die Krankheitslast erhöhen." Deshalb seien integrierte, kohärente, gemeinsame Anstrengungen nötig, die sektorübergreifend die Umweltpolitik, die Landwirtschaft, die Wasser- und Sanitärversorgung, die Stadtplanung und den Bildungssektor betreffen. Im Kampf gegen vektorübertragene Krankheiten komme jedem eine Rolle zu - internationalen Organisationen, Regierungen, der Privatwirtschaft, der Zivilgesellschaft, Gemeinschaften und Einzelpersonen, so Ban Ki-moon.

Weitere Informationen:

A global brief on vector-borne diseases. WHO, März 2014

Christina Kamp

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