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Kleine Inseln, große Probleme – aber viele nachhaltige Projekte

Palmen, Sandstrand, Meer in leicht getrübter Atmosphäre

Palmen und Strand von Mahe, der Hauptinsel der Seychellen. Solche Bilder können den Eindruck paradiesischer Zustände erwecken, aber die kleinen Inselstaaten der Welt stehen zunehmend vor existenzbedrohenden Problemen. Foto: Lothar Henke/pixelio.de

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2014 zum „Internationalen Jahr der kleinen Inselentwicklungsländer“ erklärt. In dem Beschluss der UN-Generalversammlung vom 21. Dezember 2012 werden alle Mitgliedstaaten, das System der Vereinten Nationen und sonstige Akteure ermutigt, Maßnahmen zu fördern, „mit dem Ziel, die nachhaltige Entwicklung der kleinen Inselentwicklungsländer zu verwirklichen“. 

Ein „Jahr der kleinen Inselentwicklungsländer“ könnte zunächst als Randthema erscheinen, kann aber Ländern mehr Beachtung verschaffen, die kaum Gehör in internationaler Politik und Ökonomie finden und bei uns häufig aus dem Blickwinkel der Exotik betrachtet werden. Aber die kleinen Inselstaaten stehen vor gravierenden ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Problemen. 

Bedrohte Lebensgrundlagen der kleinen Inselstaaten

Viele kleine Inselentwicklungsländer verfügen nur über wenige natürliche Ressourcen. Eine Ausnahme stellt der Fischreichtum in den Hoheitsgewässern dar, allerdings besitzen viele der Länder nicht über die Mittel, um die illegale Ausplünderung dieses Reichtums durch ausländische Fischereiflotten zu stoppen. Wirtschaftlich wirkt sich ebenfalls negativ aus, dass die meisten kleinen Inselstaaten von jeweils ganz wenigen Exportprodukten abhängen, häufig sehr weit von ausländischen Märkten entfernt sind und hohe Transportkosten für Ein- und Ausfuhren zu verkraften haben. Dies gilt besonders für die pazifischen Inseln. Da die allermeisten Länder gleichzeitig nur über sehr kleine Binnenmärkte verfügen, ist die Wirtschaftsentwicklung stark gehemmt, es besteht eine hohe Jugendarbeitslosigkeit und der Migrationsdruck auf den dicht besiedelten Inseln ist hoch.

Gravierend wirkt sich ebenfalls aus, dass zahlreiche Inseln nur über geringe Wasserressourcen verfügen, die rasch übernutzt werden können. Zu den weiteren ökologischen Problemen gehören das gemessen an anderen Ländern hohe Risiko verheerender Naturkatastrophen und die Folgen des globalen Klimawandels. Besonders heftige Stürme und steigende Meeresspiegel bedrohen die Zukunft vieler Inseln. Einzelne kleine Atolle und Inseln sind bereits im Meer versunken. 

Gemeinsam größeren internationalen Einfluss gewinnen

Die kleinen Inselentwicklungsländer haben sich in den letzten Jahren mit Unterstützung der Vereinten Nationen politisch besser organisiert, um ihre Interessen wirksam in der UN-Generalversammlung, bei UN-Klimakonferenzen und anderen internationalen Konferenzen zu vertreten. Gleichzeitig wird angestrebt, den Erfahrungsaustausch und die praktische Zusammenarbeit unter den Staaten zu fördern.

Auf der Karte sind einige Länder der Karibik ausgewählt
Die Staaten der Karibik stellen neben der pazifischen Region die größte Gruppe der kleinen Inselentwicklungsländer. Karte: stepmap.de

Hierfür haben sie die „Allianz kleiner Inselstaaten“ (Alliance of Small Island States – AOSIS) gegründet, der 44 Staaten in Afrika, Karibik, Indischem Ozean, Mittelmeer, Pazifik und Südchinesischem Meer angehören. Die Allianz verfügt zwar weder über eine Satzung noch ein Sekretariat, ist aber dennoch zu einem Akteur der internationalen Politik geworden, dessen Positionen auch von den Medien wahrgenommen werden. Allerdings müssen sich die AOSIS-Vertreter auf internationalen Klimakonferenzen, wie zuletzt im November 2013 in Warschau, immer wieder wie einsame und kaum gehörte Warner vor drohenden Katastrophen fühlen.  

Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung

Seit den 1990er Jahren sind die kleinen Inselentwicklungsländer bestrebt, mit Unterstützung der Vereinten Nationen gemeinsame Initiativen für eine nachhaltige Entwicklung zu ergreifen und Erfahrungen auf diesem Weg untereinander auszutauschen. Bei einer internationalen Konferenz der Inselentwicklungsländer auf der karibischen Insel Barbados wurde 1994 das „Barbados-Aktionsprogramm“ beschlossen, in dem eine Verbindung von wirtschaftlicher Entwicklung mit dem Schutz des Meeres, der Küstenzonen, der Korallenriffs und der übrigen fragilen Umwelt der Inseln angestrebt wird. 2005 verabschiedete eine Konferenz der Inselstaaten auf Mauritius das „UN-Aktionsprogramm für eine nachhaltige Entwicklung der kleinen Inselentwicklungsstaaten“. In einer „Mauritius-Strategie“ wurde formuliert, wie die einzelnen Länder in 19 Bereichen die Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen erreichen und eine umfassende nachhaltige Entwicklung fördern können. Dazu gehören zum Beispiel nachhaltige Produktion und nachhaltiger Konsum, Wissensmanagement, Abfallentsorgung, Tourismus, Landnutzung und Biodiversität. 

Die SIDS, die „Small Island Developing States“ (Kleinen Inselentwicklungsländer), haben inzwischen Programme zum Austausch von Erfahrungen bei der Umsetzung von Konzepten der nachhaltigen Entwicklung geschaffen. Ein wichtiges Instrument zum Austausch von Kenntnissen und Erfahrungen ist das Portal „SIDSnet“.

Vorbildliches Engagement für nachhaltige Entwicklung und Klimaschutz

„Kleine Inselentwicklungsländer können einen Sprung auf dem Weg zu einer Zukunft ohne Armut und mit Wohlstand machen, indem sie ihre Energiesektoren verändern.“ Dies betonte Freundel Stuart, der Premierminister von Barbados, als Gastgeber einer Konferenz zum Thema „Erneuerbare Energie für alle verwirklichen“ im Mai 2012, die von den Inselstaaten und dem UN-Entwicklungsprogramm UNDP veranstaltet wurde. Zahlreiche Inselstaaten müssen bisher bis zu 30 Prozent ihrer Deviseneinnahmen dafür aufwenden, Öl zum Betrieb von Kraftwerken und Generatoren zu importieren. 

Barbados gehört zu den Staaten, die ihre Energieerzeugung konsequent auf Solar-, Windkraft- und andere nachhaltige Energiequellen umstellen. Ziel ist es, ganz auf die Stromerzeugung in ölbetriebenen Kraftwerken zu verzichten und damit nicht nur einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, sondern auch enorme volkswirtschaftliche Vorteile zu erzielen. Besonders sichtbare Erfolge hat Barbados mit der Installation von vielen Tausend Solaranlagen zur Warmwasserbereitung erzielt.

Mauritius will bis 2020 den Anteil der erneuerbaren Energie auf 35 Prozent erhöhen. Der kleine pazifische Inselstaat Tokelau erzeugt bereits 100 Prozent der Elektrizität mit Solarenergie. Weitere Inselstaaten wie Samoa streben ebenfalls eine CO2-freie Erzeugung des gesamten Energiebedarfs an. Die kleinen Inselentwicklungsländer können ihre Forderungen nach einem raschen und ambitionierten internationalen Klimaschutz bei UN-Klimakonferenzen auf der Grundlage eines vielfältigen Engagements zur weiteren Verminderung ihrer eigenen (geringen) klimaschädlichen Emissionen stellen.

Landkarte der Staaten des Südpazifik
Die über eine große Meeresfläche verteilten pazifischen Inselstaaten stehen wirtschaftlich und ökologisch vor besonders großen Herausforderungen. Karte: stepmap.de

Vielfältiges UN-Engagement für die Inselstaaten

Die kleinen Inselentwicklungsländer werden beim Übergang zu grüner Wirtschaft, erneuerbarer Energie und Anpassung an den Klimawandel von einer ganzen Reihe von UN-Programmen und -Organisationen unterstützt. Zum Engagement des UN-Umweltprogramms UNEP gehört zum Beispiel die Beratung der Regierungen bei der Formulierung und Umsetzung ihrer Umweltpolitik und beim Übergang zu einer grünen Wirtschaft (vgl. u. a. die UNEP-Veröffentichung „SIDS-Focused Green Economy“).  

An Gewicht gewonnen hat die konzeptionelle und technische Beratung bei Programmen zur Anpassung an den Klimawandel. Die UNESCO unterstützt die Gemeinschaft der Inselstaaten beim Aufbau der erwähnten Internet-Plattform zum Informationsaustausch und zur Nutzung von Expertise zu zahlreichen Themenfeldern einer nachhaltigen Entwicklung. Das UN-Entwicklungsprogramm UNDP hat 2010 gemeinsam mit der „Allianz kleiner Inselstaaten“ und der Weltbank ein „Small Islands Developing States Partnership Programme“ ins Leben gerufen. Ein Ziel ist es, die Staaten bei der Einwerbung von Geldern für Klima- und nachhaltige Entwicklungsprojekte zu unterstützen. Außerdem sollen gemeinsame Initiativen ergriffen werden, um nachhaltige Energieerzeugung und Energieeffizienz zu erhöhen. Auf diesen und anderen Gebieten wollen UNDP und Weltbank ihre Förderung von Projekten und Programmen wirksam koordinieren. 

Die „Dritte Internationale Konferenz der kleinen Inselentwicklungsländer“ wird Anfang September 2014 in Apia, der Hauptstadt des pazifischen Inselstaates Samoa, stattfinden. Dort wird es u. a. um eine Auswertung des bisherigen gemeinsamen Engagements für eine nachhaltige Entwicklung seit den erwähnten internationalen Konferenzen in Barbados und Mauritius gehen, ebenso um eine gemeinsame Mitwirkung an der Formulierung und Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele ab 2015 im Rahmen der Vereinten Nationen. Nicht zuletzt soll die Konferenz genutzt werden, um das „Internationale Jahr der kleinen Inselentwicklungsländer“ stärker in das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit zu bringen.

Frank Kürschner-Pelkmann

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