Ziele für nachhaltige Entwicklung/Post-2015 COP23

Gemeinsam sind wir stark: Pariser Abkommen und Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung!

von Clara Brandi, Hannah Janetschek, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE) und Adis Dzebo vom Stockholm Environment Institute (SEI).

Der Text wurde ursprünglich in "Die Aktuelle Kolumne" des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE) veröffentlicht.

Bonn, 06.11.2017. Heute beginnt in Bonn die UN-Klimakonferenz (23rd Conference of the Parties, COP23) unter der Präsidentschaft Fidschis.Das Pariser Abkommen strebt an, auf Basis nationaler Klimapläne, der sogenannten Nationally Determined Contributions (NDCs), den globalen Temperaturanstieg auf möglichst 1,5 Grad über dem Niveau vor der Industrialisierung zu begrenzen, um die gefährlichsten Folgen des Klimawandels abzuwenden. Aktuell reicht weder die Summe der eingegangenen Selbstverpflichtungen zur Zielerreichung, noch schaffen es die Länder, Deutschland eingeschlossen, diese unzureichenden Selbstverpflichtungen überhaupt umzusetzen. Die diesjährige Klimakonferenz muss daher zeigen, wie ernst die Weltgemeinschaft das Pariser Abkommen nimmt, und sie sollte als Chance genutzt werden, um Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung besser zu verzahnen.

Fidschis eigene Situation als verletzlicher Inselstaat zeigt: Klima und Entwicklung sind untrennbar miteinander verbunden. Die ökologische und ökonomische Komponente des Klimaschutzes muss auch die soziale Dimension miteinbeziehen, um kein Land mit den Auswirkungen des Klimawandels zurückzulassen. Der Klimagipfel in Bonn sollte daher ein eindrucksvolles Signal für die enge Verzahnung von Klimaschutz und nachhaltiger Entwicklung setzen, um auch Wegweisend für die nächsten SDG-Fortschrittsberichte vor dem High Level Political Forum (HLPF) der Vereinten Nationen in New York zu sein. Wir brauchen deshalb jetzt ein global geteiltes Verständnis, um integrierte und weitreichendere Nachhaltigkeitsstrategien und Klimapläne zu initiieren.

Klimaabkommen von Paris und Agenda 2030 - gemeinsam schneller weiter

Diese beiden historischen Agenden sind die beiden Leitplanken für den Erhalt dieses einen Planeten: Die SDGs erfordern eine integrierte Umsetzung der ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimension von Nachhaltigkeit ebenso wie Klimaschutzmaßnahmen und nachhaltige Entwicklung zusammengedacht und weit über ökologische und ökonomische Komponenten hinausgehen müssen. Die Agenden benötigen daher gemeinsame  Umsetzungspfade.

Das unterstreicht auch eine neue Analyse, die das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik (DIE) gemeinsam mit dem Stockholm Environment Institute (SEI) realisiert hat. Unter dem Titel NDC-SDG Connections wurden mehr als 160 Klimapläne hinsichtlich ihres inhaltlichen Beitrags zu den Zielen und Unterzielen der Agenda 2030 analysiert. Diese Analyse wird in einem interaktiven Online-Tool visuell dargestellt und auf der COP23 in Bonn erstmals vorgestellt.

NDC-SDG Connections ermöglicht die Erkundung der Schnittstellen zwischen NDCs und SDGs auf drei Ebenen: Erstens, zeigt das das Tool, in welchem Ausmaß und auf welche Weise die mehr als 160 eingereichten NDCs zu den 17 SDGs beitragen. Eine zweite Ebene zeigt, welche Art von Klimamaßnahmen zur Umsetzung der einzelnen Unterziele der SDGs beitragen können. Dieser Einblick ermöglicht eine schnelle Einschätzung, in welchen Bereichen Klimamaßnahmen bereits einen großen Beitrag zur Umsetzung der Agenda 2030 leisten; und sie zeigt zugleich, wie beide Agenden inhaltlich ineinandergreifen, um eine ergänzende Umsetzung zu gewährleisten. Eine dritte Perspektive unterstreicht den vernetzten Charakter der 17 SDGs; und sie zeigt, wie bereits in den Klimamaßnahmen Synergien mit mehreren Nachhaltigkeitszielen gleichzeitig angelegt sind.

Interdependenzen betonen - Umsetzung stärken

Ein Blick auf die Klimamaßnahmen durch die Brille der SDGs im Rahmen von NDC-SDG Connections ermöglicht es politischen Entscheidungsträgern, Zivilgesellschaft und anderen Stakeholdern, einen schnellen Überblick darüber zu erhalten, wie sich das Pariser Abkommen inhaltlich mit der Agenda 2030 ergänzt.

Dafür sollte der rückwärtsgewandte SDG-Review-Prozess  vor dem HLPF zum Anlass genommen werden, um das regelmäßige Anpassen der verpflichtenden Klimapläne systematisch zu informieren - und umgekehrt. Nur wenn Maßnahmen zur Erreichung des Pariser Abkommens und der SDGs ineinandergreifen, können mögliche Zielkonflikte zwischen den beiden Agenden erkannt und abgemildert werden.

Zusätzlich zu den offiziellen Verhandlungen, können wir alle im Rahmen der zahlreichen Austauschmöglichkeiten in Bonn während der COP23 unsere Stimme erheben. Dazu zählen die offiziellen UN- Side-Events sowie Veranstaltungen in der sogenannten "Bonn Zone", eine interaktive Ausstellung im "Climate Planet", angekündigte Demonstrationen sowie die "Interconnection Zone" am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE), unterstützt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), die speziell darauf ausgerichtet ist, im Rahmen von mehr als 40 Veranstaltungen die Wechselwirkungen zwischen Klimaschutz und nachhaltiger Entwicklung zu debattieren.

Lasst uns gemeinsam ein kooperatives Zeichen für unseren Planeten Erde setzen!