UN-Aktuell Millenniums-Entwicklungsziele

Der Weg zu einer neuen globalen Partnerschaft

Ban Ki-moon und Yudhoyono schütteln sich die Hände

Übergabe des Berichts zu den nachhaltigen Entwicklungszielen nach 2015 an UN-Generalsekretär Ban Ki-moon durch den indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono. Foto: UN Photo/Mark Garten

Bis zum Jahr 2030 sollen die extreme Armut in der Welt beseitigt und eine nachhaltige Entwicklung auf den Weg gebracht werden. Diese Ziele werden formuliert in dem Bericht „A New Global Partnership: Eradicate Poverty and Transform Economies through Sustainable Development“ (Eine neue globale Partnerschaft: Armut beseitigen und Wirtschaften verändern durch nachhaltige Entwicklung). Der Bericht entstand im Rahmen der Arbeit der Vereinten Nationen für eine neue Entwicklungsagenda nach 2015, die auf den Millenniums-Entwicklungszielen aufbauen soll. Erarbeitet wurde der Bericht von einer 27-köpfigen Hochrangigen Expertengruppe, die geleitet wird vom indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono, der liberianischen Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf und dem britischen Premierminister David Cameron. Dem Expertenkreis gehörte auch der ehemalige deutsche Bundespräsident Horst Köhler an, der den Bericht am 14. Juni in Berlin vorstellte.  

„Wir stehen am Beginn einer historischen Reise“, äußerte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon bei der Entgegennahme des Berichtes, den er im letzten Jahr in Auftrag gegeben hatte. Der Post-2015-Prozess biete die Chance, eine neue Ära im Bereich der internationalen Entwicklungszusammenarbeit einzuleiten, betonte Ban Ki-moon in New York. Ziel sei es, für alle Menschen, „eine Welt des Wohlstands, der Nachhaltigkeit, der Gerechtigkeit und der Würde“ zu schaffen.

Das Foto zeigt Horst Köhler am Rednerpult
Bundespräsident a. D. Horst Köhler bei der Vorstellung des Berichts in Berlin. Foto: GIZ/Marc Beckmann

In den Bericht flossen die Ergebnisse von Konsultationen mit mehr als 5.000 Gruppen der Zivilgesellschaft in 121 Ländern ein, ebenso die Einsichten von Mitgliedern der Hochrangigen Expertengruppe aus Gesprächen mit zahlreichen multilateralen Institutionen, nationalen Regierungen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Unternehmen und Organisationen der Zivilgesellschaft.

Die Aufgabe der Hochrangigen Expertengruppe bestand darin, eine Agenda "für den Menschen und den Planeten zu entwickeln", also die Zielvorstellungen menschenwürdiger Lebensbedingungen für alle und der dauerhaften Überlebensfähigkeit unseres Planeten trotz immenser menschengemachter Umweltbedrohungen zusammenzubringen, wie Horst Köhler bei der Vorstellung des Berichts in Berlin betonte.Im Mittelpunkt des Berichts steht somit die altbekannte Forderung, extreme Armut weltweit zu beseitigen. Köhler sagte dazu: "Dies ist etwas, was politische Führer im Lauf der Geschichte wieder und wieder versprochen haben. Heute kann es tatsächlich verwirklicht werden.“Daneben bedarf es vier weiterer tiefgreifender Veränderungen, die der Bericht beschreibt, u.a. die Überwindung bestehender Konsummuster und  Wirtschaftsweisen - allesamt Bereiche, die den industrialisierten Norden  ebenso wie den Süden betreffen: Es gilt, nachhaltige Entwicklung als Grundausrichtung der Politik in allen Teilen der Welt zu verankern. Oder, in einer von Köhler vorgenommenen Umdeutung des kategorischen Imperativs von Kant: "Lebe so, dass dein Lebensstil auch von allen anderen 7 Milliarden Menschen auf diesem Planeten übernommen werden könnte".

"Lebe so, dass dein Lebensstil auch von allen anderen 7 Milliarden Menschen auf diesem Planeten übernommen werden könnte"
Horst Köhler, Bundespräsident a. D.

Eine wirtschaftliche Transformation für Arbeit und inklusives Wachstum als dritte Veränderung behinhaltet u.a. die Definition von Wohlstand als Einkommen und Arbeit für alle. Frieden schaffen und leistungsfähige, offene und rechenschaftsfähige Institutionen stärken ist als Ziel selbsterklärend. Die letzte veränderung besteht in der Schaffung einer neuen Globale Partnerschaft, die auf einem "neuen Geist der Solidarität, der Zusammenarbeit zum gegenseitigen Nutzen und der gegenseitigen Rechenschaftspflicht" basiert, so Köhler.

12 Ziele für ein besseres Leben für alle

Diese fünf Veränderungen wurden in 12 übergeordnete Ziele mit 54 konkreteren Einzelzielen übersetzt. Zu den 12 Zielen gehören: die Beseitigung des Hungers und der extremen Armut auf der Welt, die Verhinderung aller Formen von Gewalt gegen Frauen und Kinder, die Gleichstellung der Geschlechter und die Beseitigung von Diskriminierungen, eine drastische Reduzierung der Kindersterblichkeit, die Möglichkeit für alle Kinder, eine Schulbildung abzuschließen, die Verhinderung von vermeidbaren Todesfällen von Kindern unter fünf Jahren, eine Erhöhung der Zahl der Arbeitsplätze mit angemessenen Arbeitsbedingungen und Löhnen, eine Verminderung aller Formen von Gewalt, eine nachhaltige Energieversorgung, ein Schutz der Ökosysteme sowie eine Garantie des allgemeinen Zugangs zu sauberem Trinkwasser und einer sanitären Versorgung.

Gefordert werden außerdem ein offenes, faires und entwicklungsfreundliches Handelssystem, eine Reform des internationalen Finanzsystems, die Gewährleistung von Menschenrechten, Maßnahmen zur Begrenzung des globalen Klimawandels auf 2 Grad Celsius und eine Erhöhung der Entwicklungsmittel der Industrieländer auf 0,7 Prozent ihres Bruttosozialprodukts.

Bemerkenswert ist auch, welchen hohen Stellenwert der Bericht den Fragen des globalen Klimawandels zumisst: „Vor allem gibt es einen Trend – den Klimawandel –, der darüber entscheiden wird, ob wir unsere Ambitionen tatsächlich verwirklichen können.“ Die Experten betonen: „De Kosten dafür, jetzt zu handeln, sind sehr viel niedriger als die Kosten dafür, später mit den Folgen umgehen zu müssen.“ Entsprechend großes Gewicht wird in dem Bericht auf eine nachhaltige Entwicklung gelegt, die alle einbezieht. „Lasst niemanden zurück“, lautet eine zentrale Forderung. 

Der frühere Bundespräsident sagte zur Rolle Deutschlands bei der Verwirklichung der Ziele: „Auch wir müssen begreifen, dass wir in einer Welt leben. Nicht in einer ersten, zweiten oder dritten Welt." In Zeiten der Globalisierung sind „längst alle wechselseitig voneinander abhängig". Horst Köhler hob hervor: „Wir werden weder unseren Wohlstand noch unsere Sicherheit noch unseren Frieden erhalten, wenn wir uns nicht als Partner der Armen begreifen." Erforderlich sei jetzt eine „Entwicklungsagenda für den ganzen Planeten".

Die Vision von einer Welt in 2030

„Wir haben die Vision von einer Welt im Jahre 2030, in der extreme Armut und Hunger beseitigt worden sind. Wir haben die Vision von einer Welt, in der kein Mensch zurückgelassen wird und in der es Schulen, Kliniken und sauberes Wasser für alle gibt. Es ist eine Welt, in der junge Leute Jobs haben, in der das Wirtschaftsleben floriert und in der wir die Konsum- und Produktionsformen in eine Balance gebracht haben. Es ist eine Welt, in der alle gleiche Möglichkeiten und eine Mitsprache bei Regierungsentscheidungen haben, die Auswirkungen auf ihr Leben haben. Wir haben die Vision von einer Welt, in der die Prinzipien der Gleichheit, der Nachhaltigkeit, der Solidarität, der Achtung der Menschenrechte und der geteilten Verantwortung entsprechend der jeweiligen Möglichkeiten mit Leben gefüllt worden sind durch unser gemeinsames Handeln.“

Aus dem Bericht „Eine neue globale Partnerschaft“

Positive Reaktion von Nichtregierungsorganisationen

Wolfgang Jamann, Generalsekretär der Welthungerhilfe, äußerte zu dem Bericht: „Ein durchaus positives Signal ist die Forderung, den Hunger in der Welt wirklich überall zu beenden und nicht nur den Anteil der Hungernden zu halbieren – wie bisher." Die Welthungerhilfe erklärte außerdem in einer Pressemitteilung: „Es ist dringend notwendig, diese einmalige Gelegenheit zu nutzen, um die vorhandenen Schwächen der Millennium-Entwicklungsziele (MDGs) zu beheben." „Ich freue mich sehr, dass das Expertengremium mehr Gleichberechtigung für Frauen und bessere Bildungschancen für junge Menschen fordert“, sagte Renate Bähr, Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung. „Denn die Rolle dieser beiden Gruppen ist für eine nachhaltige Entwicklung zentral. Zudem begrüße ich, dass der Bericht das Recht aller Menschen betont, frei darüber zu entscheiden, wann und wie viele Kinder sie bekommen möchten.“ Amnesty International begrüßt die Aufnahme der Menschenrechte in die nachhaltigen Entwicklungsziele. Katharina Spieß, Referentin bei Amnesty International, ging gegenüber der Presse auf ein weiteres positives Ergebnis ein: „Es ist richtig, dass Ungleichheit stärker adressiert und in den Vordergrund gerückt wird.“ Auf der Grundlage der jetzt vorgestellten Empfehlungen des Berichts wird UN-Generalsekretär Ban Ki-moon im September dieses Jahres der UN-Generalversammlung seinen Bericht mit Empfehlungen für nachhaltige Entwicklungsziele vorlegen.

Vollständiger Bericht der Hochrangigen Expertengruppe (englisch)

Deutsche Kurzzusammenfassung des Berichts

Internetseite der Hochrangigen Expertengruppe (engl.)

Informationen zu den Millenniums-Entwicklungszielen

Frank Kürschner-Pelkmann/Lena Jöst

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