Klimawandel im Überblick

Schwindende Gletscher, Waldvernichtung, Korallensterben oder der Anstieg des Meeresspiegels - der Klimawandel manifestiert sich weltweit in bedrohlichen Prozessen, die alle gleichzeitig stattfinden, über lange Zeiträume wirken und sich zum Teil gegenseitig verstärken. Viele sind nicht mehr aufzuhalten.

Industrialisierung und Wirtschaftswachstum haben seit Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem enormen Anstieg der menschenverursachten CO2-Emissionen und einer fortschreitenden Erderwärmung geführt. Die Kohlenstoffsenken der Erde – Wälder, Böden und Ozeane – sind nicht mehr in der Lage, die gewaltigen Mengen Kohlendioxid aufzunehmen. Die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre wächst stetig und erreichte in den vergangenen Jahren regelmäßig neue Rekordwerte.

Der Klimawandel bedroht den Planeten und trifft vor allem Menschen in Ländern, die nicht über die Mittel verfügen, um sich gegen Überflutungen, Dürren oder Ernteausfälle zu schützen. Schon heute sind die Auswirkungen des Klimawandels in einigen Regionen so extrem, dass Menschen vorübergehend oder dauerhaft aufgrund des Klimawandels aus ihrer Heimat vertrieben werden.

Besonders die Verbrennung fossiler Brennstoffe zur Energiegewinnung sorgt für den Anstieg der globalen CO2-Emissionen. Auch Entwaldung, Landwirtschaft und Industrie setzen CO2 frei. Die größten CO2-Emittenten sind reiche Länder. Fast zwei Drittel des Gesamtausstoßes zwischen 1850 und 2005 gehen auf sie zurück. Während nur 500 Millionen Menschen in den reichen Ländern rund die Hälfte der globalen CO2-Emissionen verursachen, sind die ärmsten 50 Prozent der Weltbevölkerung für sieben Prozent verantwortlich.

Folgen des Klimawandels

Naturkatastrophen & Meeresspiegelanstieg

Schon heute sind viele Millionen Menschen von den Folgen des Klimawandels betroffen. Künftig wird ihre Zahl zunehmen. Extreme Wettereignisse wie Sturmfluten, Dürren, Hitzewellen, Starkregen oder Überschwemmungen treten immer häufiger auf. Der ansteigende Meeresspiegel bedroht die Bewohner von Küstengebieten und könnte in Zukunft ganze Inseln im Meer versinken lassen. Aufgrund der Erderwärmung und veränderter Niederschlagsmuster wird vielerorts die landwirtschaftliche Produktivität zurückgehen und Nahrungsunsicherheiten auslösen.

Global gesehen sind die Gefährdungen ungleich verteilt. Die meisten Naturkatastrophen ereigneten sich in den vergangenen Jahren in Südasien – andere Regionen trifft es nur selten. In den Industrieländern der nördlichen Breiten könnte die Erderwärmung die landwirtschaftliche Produktivität zunächst sogar steigern, während sie in den Entwicklungsländern der Tropen zu Dürren und Ernteausfällen führt. 

In welchem Ausmaß die Menschen von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind, hängt aber auch von den verfügbaren Mitteln und Möglichkeiten im Umgang mit den Klimagefahren ab. Arme Länder sind hier stark benachteiligt. Unzureichende Frühwarnsysteme und Schutzmaßnahmen, Armut, schlechte soziale und medizinische Bedingungen sowie politische Instabilität erschweren die Anpassungsfähigkeiten. So forderte zum Beispiel das Erdbeben in Japan im Jahr 2011 weit weniger Todesopfer als das wesentlich schwächere Beben 2010 in Haiti. Für die Menschen in armen Ländern, vor allem in Afrika sowie in Süd- und Ostasien, bedeuten Naturkatastrophen meist den Verlust ihrer Lebensgrundlage und Heimat und mehr Armut und Hunger.

Korallensterben

Der Klimawandel verstärkt den Druck auf die Ökosysteme der Meere. Die Hälfte der Korallenriffe geht bereits zurück – hochsensible und einzigartige Unterwasser-Lebensräume und -Lebewesen mit ausgeprägtem Artenreichtum sind akut gefährdet. Ursache ist die Erwärmung und Versauerung der Ozeane aufgrund der steigenden CO2-Emissionen. Bei erhöhten Wassertemperaturen kommt es zur Korallenbleiche: Korallen stoßen die Algen ab, die ein wesentlicher Bestandteil ihrer Nahrung sind. Die Korallen bleichen aus, zurück bleibt ihr farbloser Kalkmantel. Werden sie nicht erneut von Algen besiedelt, sterben sie ab. Ein kurzfristiger Anstieg der Meerestemperatur, beispielsweise infolge intensiver Niederschläge oder Hurrikans, führte in der Vergangenheit immer wieder zur Korallenbleiche. Doch mit der dauerhaften Erwärmung der Weltmeere aufgrund des Klimawandels wird sie häufiger und massiver auftreten. Die Korallen haben dann auch schlechtere Chancen, sich zu erholen. Eine zusätzliche Belastung geht vom steigenden Säuregehalt der Ozeane aus, der wichtige Mineralien angreift, auf die Korallen und andere Meeresorganismen angewiesen sind. Die als Bausteine für die Kalkskelette zentralen Karbonatverbindungen lösen sich auf, die Korallen können nicht mehr wachsen. Korallenriffe sind besonders in den flachen Regionen der Tropenmeere verbreitet. Während des El Niño wurden 1998 weltweit 16 Prozent der Korallen zerstört. 2002 war das größte Korallenriff der Welt, das Great Barrier Reef, bedroht. 2005 traf eine massive Korallenbleiche die östlich Karibik und fünf Jahre später die artenreichsten Korallenriffe in Südostasien. Für Millionen von Kleinfischern in armen Ländern und Menschen in den Küstengebieten der Tropen, die sich von Fisch ernähren, hat das Korallensterben schwerwiegende Konsequenzen. Denn Korallen spielen eine wesentliche Rolle für den Fischbestand der Meere. Geht dieser zurück, verlieren Menschen in 60 Ländern der Welt ihre Lebensgrundlage, Nahrungsquelle und einen wichtigen Wirtschaftsfaktor. Wirtschaftlicher Schaden entsteht auch für Länder, die stark vom Tauchtourismus abhängig sind.

Gletscherschmelze

Die globale Erwärmung lässt die Gletscher der Erde schrumpfen – mit fatalen Folgen. Die Eisschmelze in Gebirgen und an den Polkappen gehört zu den schlimmsten Auswirkungen des globalen Klimawandels. Ein Großteil der Eisflächen ist bereits seit mehr als 150 Jahren auf dem Rückzug. Seit Mitte der 1980er Jahre hat sich die Gletscherschmelze in den Polar- und Hochgebirgsregionen dramatisch verstärkt. Viele der rund 160.000 Gletscher weltweit sind betroffen – vom Himalaja und den europäischen Alpen über die Tropengletscher Afrikas und die Eisfelder der Anden bis hin zu den polaren Eisschilden der Antarktis und Grönlands. Gletscher sind riesige Süßwasserspeicher. Verschwinden sie ist die Wasserversorgung gefährdet. Das  Schmelzwasser speist wichtige Flüsse und sichert besonders in trockenen Regionen die Trinkwasserressourcen, die Bewässerung für Landwirtschaft und die Energiegewinnung. Aufgrund der Gletscherschmelze erhöhen sich die Wasserabflüsse zunächst. Überflutungen und Lawinen sind die Folge, vor allem wenn instabile Gletscherseen ausbrechen und gewaltige Wassermengen freigesetzt werden. Langfristig bewirkt der Gletscherrückgang aber Wasserknappheit. Gebirgsflüsse versiegen, Ökosysteme werden zerstört, Arten sterben aus und zahlreiche Menschen verlieren ihre Lebensgrundlage. Rund 40 Prozent der Weltbevölkerung sind unmittelbar bedroht. Die Prognosen sind alarmierend, einige Gletscher könnten bis zum Ende des 21. Jahrhunderts komplett verschwunden sein. Mit der fortschreitenden Gletscherschmelze und dem Abbruch großer Eisflächen an den polaren Eisschilden wird außerdem der Meeresspiegel in Zukunft weiter ansteigen und insbesondere die Bewohner der Küstengebiete gefährden.